Die Mobilität wird vom Himmel bestimmt

„Nächste Verbindung zum Festland morgen 11.45“ – die Ankündigung am Hafen von Juist wirkt anachronistisch in einer Gesellschaft, in der Mobilität schon fast ein unverzichtbares Lebensprinzip ist. Man will möglich schnell von A nach B kommen, man hasst Staus auf den Autobahnen und die Verspätung bei der Bundesbahn. Wenn Flugzeuge ausfallen, ist die gesamte Erholung in Gefahr.
Und hier auf der Insel heißt es „Warten“. Nicht nur ein paar Minuten, Stunden, sondern bis morgen. Die Mobilität hier wird von den Gezeiten bestimmt, periodische Wasserbewegungen des Meeres mit Hoch- und Niedrigwasser an den Küsten. Ebbe und Flut sind eine Folge der Gezeitenkräfte von Mond und Sonne.
Man sieht das Wasser kommen und gehen – fast unmerklich steigen und sinken die Fluten. Vom Himmel aus wie von unsichtbarer Hand bestimmt.
Die Bewohner auf der Insel haben es gelernt, mit den Gezeiten zu leben. Sie kennen den Fahrplan der Fähre, die nicht nur Touristen bringt, sondern auch Lebensmittel, die Post, alle Güter die man benötigt. Sie ist die Nabelschnur zum Festland – in unseren Zeiten unterstützt vom Rettungshubschrauber, der für Notfälle zur Verfügung steht. Und weil der Fahrplan der Fähre an manchen Tagen extrem ungünstig ist, gibt es ein paar Mal am Tag auch ein Flugverbindung mit der kleinen Propellermaschine. Ein Tribut an die Mobiltätsgesellschaft.
Doch es ändert nichts am Lebensrhythmus der Insulaner und der Besucher: alles geht langsamer, „entschleunigt“ – wie es heute heißt. Es macht innerlich Freude, sich darauf einzulassen. Auf mich wirkt es archaischer, menschlicher, weil man noch mehr im Takt der Natur lebt. An den Gezeiten kann der Macher Mensch nichts ändern.
Und während der IC durchs Land rast, um mich wieder nach Hause zu bringen – komme ich mir vor als käme ich aus einer anderen Welt, als hätte ich ein Paradies verlassen müssen.

Was ist der Mensch (wert)?

Claudia Hautumm/pixelio.de

Ich oute mich mal zuerst: ich bin weder -Experte noch Fußballfans. Ich freue mich, wenn der Bonner SC oder der 1.FC Köln gewinnt, und bin mit den richtigen Fans traurig, wenn sie verlieren. Aber wenn ich heute lese, dass Bayern München einen italienischen Fußballspieler gekauft hat und die Medien melden: „der 22 Jahre alte Offensivakteur kostet 41,5 Millionen“, dann fehlt mir nicht nur jedes Verständnis. Es ist in meinen Augen ein Ärgernis.
Papst Franziskus sagt in seiner Botschaft zum Welttag der Armen: „Wenn heutzutage immer mehr ein unverschämter Reichtum zutage tritt, der sich in den Händen weniger Privilegierter ansammelt und der nicht selten mit Illegalität und der beleidigenden Ausbeutung der menschlichen Würde einhergeht, erregt die Ausbreitung der Armut in großen Teilen der weltweiten Gesellschaft Ärgernis.“
Angesichts der Armut, die uns aus vielen Tausend Gesichtern in dieser Welt anblickt, entlarvt ein solcher Milionen-Transfer, dass es hinter der sportlichen Fassade um handfeste wirtschaftliche Interessen geht.
Was ist der Mensch (wert)? die Frage drängt sich mir auf. Ein Mensch ist nicht zu bezahlen. Es gibt keine Summe, die angemessen wäre, weil ein Mensch keine Ware ist. Allenfalls seine Leistung ist zu entlohnen – und da fallen mir eine Menge Leute ein, die für ihre Arbeit nicht gerecht bezahlt werden und die für eine funktionierende Gesellschaft wichtiger sind als ein 22 Jahre alter Offensivakteur, für den man 41,5 Millionen bezahlt und der auch entsprechend besoldet werden wird.

Die Botschaft des Papstes zum Welttag der Armut hier

Le chaim – auf das Leben!

(c) BirgitH/pixelio.de

In diesem Jahr beschert uns der Kalender eine Besonderheit: nicht nur die in West und Ost getrennten Christen feiern gemeinsam Ostern. Auch die Juden feiern in diesen Tagen ihr Pessach-Fest. Am Vorabend eines Pessach-Festes wurde Jesus gekreuzigt!
In den meisten europäischen Sprachen ist die Beziehung noch hörbar. Die Franzosen feiern Pâques, die Italiener Pasqua, die Niederländer Pasen, die Dänen Påske und die Finnen Pääsiäinen. Nur wir Deutsche haben uns vermutlichen von iro-schottischen Mönchen während unserer Missionierung verleiten lassen von Ostern, im Englischen Eastern zu sprechen und damit wahrscheinlich an die angelsächsische Lichtgöttin „Ostara“ zu erinnern.
Bei beiden Festen geht es um das Leben. Die Juden feiern die Befreiung ihrer Väter aus der Knechtschaft Ägyptens so als seien sie selbst befreit worden. Das Pessachfest ist ein großer Dank für Rettung, für das Gute, für die Liebe, das Erbarmen, den Frieden – kurz: für das Leben. Wir Christen feiern die Auferweckung Jesu von den Toten und die damit verbundene Hoffnung, dass das ewige Leben bei Gott auf uns alle wartet.
Christen und Juden verbindet die Überzeugung, dass Gott ein „Freund des Lebens“ ist (Buch der Weisheit 11,26) Das Bewusstsein hierfür ist vielen Menschen abhandengekommen. Der Mensch selbst hat sich zum Herrn über das Leben gemacht. Das Leben ist bedroht: durch rücksichtsloses wirtschaftliches Handeln, durch politische Machtgelüste und religiösen Fanatismus. Die Nachrichten, die täglich auf uns einströmen, können Angst machen, und an der Botschaft vom Leben verzweifeln lassen.
Aber genau das wollen diejenigen, denen das Leben anderer nichts wert ist. Deshalb erinnere ich mich gerne an einen jüdischen Trinkspruch und mache aus ihm meinen Ostergruß: „Le chaim – auf das Leben!“ Werden und bleiben wir in dieser Welt Förderer und Freunde des Lebens, im Kleinen wie im Großen. In diesem Sinne Pask Seder – Gesegnete Ostern! – Happy Easter! – Joyeuses Pâques! – Buona Pasqua – Χριστος ανεστη – Pesach Sameach – Christos woskrese! Oder eben: Le chaim!

Blasphemie oder eben rheinisch?

Das Kirchenlied der Stadtpatrone bei einer Karnevalsveranstaltung –wie gestern Abend in der „Kayjass“ der Lustigen Bucheckern geschehen – ist das nicht Blasphemie? Der Nicht-Rheinländer wird das meinen. Er weiß zu wenig von der Beziehung zwischen Karneval und Religion.

„Vom Rhein – das heißt vom Abendland. Das ist natürlicher Adel.“, so lesen wir ins Carl Zuckmayers „Des Teufels General“. Natürlicher Adel – vom Abendland, sagt Zuckmayer, vom christlichen Abendland, muss man ergänzen. 529 gründete Benedikt das Kloster Monte Cassino in Italien. „Ora et labora – bete und arbeite!“ – das war sein Erfolgsrezept. Damit haben die Mönche Europa kultiviert. Zu dieser Kultur gehört auch der Karneval. Er ist nicht bütze, tanzen, jeck sein, sich verkleiden, weil es schön ist und man Spaß dran hat, sondern weil es Fastelovend ist, d.h. der Abend vor der Fastenzeit.

Und die ist auch nicht eingeführt, weil wir uns zu viel Winterspeck angefuttert haben, und Diät halten müssen. Sondern weil sie uns vorbereitet auf ein großes Fest, auf Ostern. Das höchste Fest der Christen! An diesem Tag feiern wir dass Gott seinen Sohn nicht im Tod gelassen hat, und, dass der Tod nicht das letzte Wort im Leben hat. Welch ein Fest, denn vor dem Tod haben wir alle Angst. Ostern sagt: du brauchst keine Angst zu haben vor dem Tod, denn das Leben geht danach für Dich weiter, ewig, im Himmel, beim Herrgott.

Damit wir ein solches Fest, eine solche Botschaft richtig feiern können, heißt es vorher „fasten, verzichten“. Nur wenn ich merke, dass mir etwas fehlt, kann ich mich anschließend wieder daran freuen. Oder anders gesagt: wer jeden Tag Champagner trinkt, weiß nicht mehr, dass es etwas Besonderes ist! Deshalb fasten wir und deshalb wird vorher noch einmal kräftig „op die Tromm gekloppt“. Wer nicht fastet, kann kaum richtig Karneval feiern. Schon Theresa von Avila sagt: Wenn fasten, dann fasten, wenn Rebhuhn dann Rebhuhn.

Ursprünglich waren die jecken Tage auf die letzte Woche vor Aschermittwoch beschränkt. In vielen Sprachen wird Weiberfastnacht der „fette Donnerstag“ genannt. Es war der letzte Schlachttag vor der österlichen Fastenzeit, denn im Mittelalter galt der Donnerstag als allgemeiner Schlacht- und Backtag. Der Beginn des Karnevalstreibens.

Karneval und christlicher Glaube gehören zusammen – und unter den Christen sind die Katholiken eher dabei als die anderen Konfessionen. Vielleicht auch deshalb weil der katholische Glaube der „normale“ Glaube im Rheinland ist. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Mit seiner Religion verbindet den Rheinländer eine fast verliebte Vertrautheit, die vielleicht dann und wann mal zu weit geht, aber niemals böse gemeint ist. Sein Humor relativiert alles; immer aber im Wissen um ein Letztes, Gültiges, Absolutes.
Und weil zum „normalen Glauben“ auch die Prozessionen gehören, liebt der Rheinländer die Prozessionen – die frommen an Fronleichnam und die lustigen an Rosenmontag. Es tut ihm gut, wenn der Weihrauch duftet, weiß gekleidete Mädchen fromme Lieder singen, Fahnen flattern, die Ornate der Geistlichen oder Uniformen der Karnevalisten Farbe ins Bild bringen, Bläser und Sänger sich zusammenfinden.

Deshalb kann auch mitten im Karneval ein Kirchenlied erklingen – „irgendswie“ (wie der Rheinländer sagt) gehört das alles zusammen.

 

Von Bohnenkönigen und anderen Tollitäten

Man muss schon zweimal in den Kalender schauen heute: zuerst Festlicher Gottesdienst am Dreikönigstag und anschließend Prinzenproklamation. Passt das denn zusammen? Sind die Kronen, die die Könige vor dem Kind in der Krippe niederlegen, und die Prinzenmütze des Prinzen Karneval nicht etwas total Gegensätzliches? Ein Blick in die Kulturgeschichte zeigt, dass es Verbindendes gibt.

Die franzöische Bäckerei an der Ecke verkauft heute Galette des Rois, Königskuchen. Eingebacken in den Blätterteig eine kleine Porzellanfigur,   Fève (dicke Bohne) genannt.  Wer in seinem Kuchenstück die Figur (oder eine Bohne) findet, wird mit einer Pappkrone gekrönt und ist König für einen Tag.

Bohnenkönig

Galette des Rois

Den Brauch kennt man nicht nur in Frankreich, auch bei uns wurde und wird in diesen Tagen um das Dreikönigsfest der Bohnenkönig ausgerufen.Seit dem 13.Jahrhundert ist dies überliefert. Der Bohnenkönig suchte sich nicht nur eine Königin, sondern versammelte um sich einen närrischen Hofstaat. Wenn der König trank, mussten alle rufen, der König trinkt! Ein Motiv, das auch in der Kunst seine Darstellungen fand.

Vom Bohnenkönig, dem „König auf Zeit“, ist es nur ein kleiner Schritt zum Narrenherrscher auf Zeit, der heute gemeinhin als „Prinz Karneval“ bezeichnet wird. Viele Elemente, die den alten Brauch des Königsspiels bestimmten, hat sich bis heute in den Gepflogenheiten des Karnevals erhalten. Nicht nur der närrische Hofstaat, der den Prinzen umgibt, auch die festen Regeln, nach denen gespielt wurde und heute auch gespielt wird. Da durfte man keine Fehler machen. Da darf man keine Fehler machen.

Verlorengegangen ist der Bezug zum Dreikönigsfest – obwohl vielerorts das Fest den Beginn des Sitzungskarnevals markiert. An der Bonner Stadtkrippe im Bonner Münster gibt es den Bezug noch. Hier kommen die Tollitäten im Schlepptau der Drei Könige zum Kind in der Krippe – wohlwissend, dass ihre Herrschaft endlich ist. Heute geht’s los – am Aschermittwoch ist alles vorbei.


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Licht in der Dunkelheit

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Fenster in der Kirche in Boden/Tirol

Nebel und Nässe, grauverhangener Himmel und auch der erste Frost prägen diesen Monat November. Der Abschied vom Sommer ist endgültig, die Natur hat ihren farbenprächtigen Mantel abgelegt,
mit dem sie sich in den letzten Wochen noch einmal üppig geschmückt hatte und das Kleid des Todes übergezogen. Die Kälte kündet schon vom bevorstehenden Winter. Es zieht uns zurück in die Häuser, ins Trockne und Warme. Die Elemente draußen verbreiten
eine Ahnung vom Tod: der Nebel, der sich wie ein Schleier über dieWelt legt und alles scheinbar Bekannte geheimnisvoll verhüllt, lässt uns einsam, melancholisch werden. Da tut es gut, dass das kirchliche Brauchtum in diesen Tagen einen anderen Akzent setzt: das Martinsfest wirkt wie ein Kontrast in diesem düsteren Monat.
Das Licht der Laternen und das Martinsfeuer kämpfen an gegen den Nebel und die Dunkelheit. Die frohen Lieder, die die Kinder singen, künden von der Tat des Heiligen, die ihm in den Herzen der Menschen einen Platz gesichert hat: mit einem Bettler am Stadttor von Amiens teilte er seinen Soldatenmantel. Gewiss nur ein kleiner Akt der Nächstenliebe und doch spüren die Menschen durch die Jahrhunderte hindurch, dass solche Taten das Leben eigentlich ausmachen, das Leben ermöglichen. Das Martinsfest markierte früher den letzten Tag vor der damals noch üblichen Fastenzeit vor Weihnachten. Nach einem üppigen Mahl begann die Zeit der Vorbereitung auf jenes Fest, das von der Liebe Gottes zu den Menschen in einer Weise kündet, die Menschen selbst sich nicht ausdenken können: „Gott wird Mensch!“

Das Weihnachtsfasten gibt es nicht mehr. Aber trotzdem begegnet uns das Fest in unseren Großstädten schon auf Schritt und Tritt: die Dekorationen und Illuminationen der Geschäfte sprechen eine eindeutige Sprache. Wir spüren, dass das kalte Licht dieser Kerzen die Dunkelheit unseres Lebens nicht durchdringen kann. Die Geschenke, die da angeboten werden, sind kaum dazu angetan, anderen das Leben zu ermöglichen. In den Martinsfackeln der Kinder jedoch leuchtet schon das Licht der Heiligen Nacht auf und das Leben des Heiligen erscheint so wie der Widerschein jener Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden und die allein das Leben schenkt über den Tod hinaus.

Ich will noch einmal die Netze auswerfen!

(c) Eckstein/Pixelio

(c) Eckstein/Pixelio

Unser Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat mich zum 1. September 2016 für weitere sechs Jahre im Amt des Stadtdechanten bestätigt. Der Verlängerung war eine Befragung des Katholikenrates und der Bonner Dechanten vorausgegangen. Zu einem Zeitpunkt, in dem andere Zeitgenossen über ihre Rente nachdenken, bin ich bereit, noch einmal anzutreten. Ich danke dem Erzbischof ebenso wie dem Katholikenrat und meinen Mitbrüdern in Bonn für das Vertrauen. Alleine kann ich diese Aufgabe nicht bewältigen. Deshalb bin ich sehr dankbar für ein starkes Team an Referentinnen und Referenten, die sich mit mir zusammen um die Kirche in der Stadt sorgen.
Für mich ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre die pastorale Neuausrichtung des Erzbistums. Dieser geistliche Weg, zu dem der Erzbischof aufgerufen hat, ist eine große und wichtige Herausforderung auch für uns in Bonn. Aber dank so vieler kompetenter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unzähliger engagierter Katholiken vor Ort in den Gemeinden bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam diesen Weg gehen und fördern können. Ich bin noch einmal angetreten, weil ich glaube und hoffe, dass dieser Weg hilft, der Kirche ein Gesicht zu geben, von dem sich weniger Menschen als bisher abwenden. Das erscheint mir dringend notwendig zu sein.
Der Erzbischof beabsichtigt, in naher Zukunft die noch bestehenden Dekanate (in Bonn sind es vier) aufzulösen und damit die Aufgaben der Stadt- und Kreisdechanten zu vermehren. Ich möchte dann noch mehr ein gutes Auge auf die hauptamtlichen Pastoralkräfte werfen, die oft bis an ihre Leistungsgrenze gefordert werden.
So bleibe ich also – als Stadtdechant und als Münsterpfarrer. „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen“, hieß es am heute am 1.September im Tagesevangelium. Ich bitte Sie um Ihr Gebet, dass die Netze nicht leer bleiben.

Msgr. Wilfried Schumacher | Münsterpfarrer

Persönliche/r Referent/in gesucht

Cloud 1(2)

Mein bisheriger persönlicher Referent wechselt als Diakon in den hauptamtlichen Dienst. Deshalb wird bei mir eine Stelle frei. Ich suche

Persönliche/n Referenten/in des Stadtdechanten und Leiters der Citypastoral

mit einem Beschäftigungsumfang von 100%.

Diese interessanten Aufgaben erwarten Sie:

  • Sie arbeiten dem Stadtdechanten und Leiter der Citypastoral zu und führen sein Büro
  • Sie koordinieren die Arbeit der Referate und Einrichtungen des Stadtdekanates und der Citypastoral
  • Sie unterstützen organisatorisch Veranstaltungen und begleiten Projekte auf Stadtebene und in der Citypastoral
  • Sie sorgen für den ungehinderten internen Betriebsablauf in unserem Haus mit rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Sie verantworten einzelne Bereiche und kommunizieren intern die Entscheidungen der Leitungsebene
  • Sie vertreten die Leitung im Binnenverhältnis

Sie passen zu uns, wenn Sie

  • fundierte Kenntnisse innerkirchlicher Abläufe besitzen,
  • ein Organisationstalent sind und in komplexen Situationen den Überblick behalten,
  • selbstständig und im Bewusstsein der Verantwortung für das Ganze arbeiten wollen,
  • teamfähig, überzeugungsstark, souverän und kreativ sind,
  • ein hohes Maß an Eigeninitiative und Flexibilität mitbringen,
  • sehr gute Kenntnisse in allen gängigen Office-Anwendungen und im Internet haben,
  • mit den sozialen Medien vertraut sind,
  • sicher in deutscher Sprache mündlich und schriftlich kommunizieren können.

Die Anstellung und Vergütung erfolgt auf Grundlage der kirchlichen Arbeits- und Vergütungsordnung (KAVO). Außerdem bieten wir eine zusätzliche Altersversorgung sowie weitere Sozialleistungen.

Wenn Sie diese werteorientierte Herausforderung reizt, Sie der katholischen Kirche angehören und im Leben der katholischen Kirche verankert sind, dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Bitte schicken Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen bis zum 31.08.2016 zu. Die eingehenden Bewerbungen werden vertraulich behandelt.

Katholisches Stadtdekanat Bonn, StS Verwaltung
Gerhard-von-Are-Straße 5, 53111 Bonn
stadtdekanat@katholisch-bonn.de

Bei Fragen zu unserem Stellenangebot erhalten Sie Informationen bei Herrn Klaus Ersfeld (0228/98588-93).

 

Ein Stich ins Herz!

SchreinDer Schrein steht wieder an seinem Platz. Der Sachschaden ist wohl nicht sehr hoch. Alles also wieder in Ordnung? Auf den ersten Blick: Ja – und doch bleibt etwas zurück, was ich auch 400km von Bonn entfernt noch spüre.

Was ist passiert? Ein Mann reißt den 100 Zentner schweren Schrein aus seiner bronzenen Umhüllung in der Krypta des Münsters und lässt ihn zu Boden fallen. (Ob er geistig verwirrt ist oder nicht, ändert nichts an der Tatsache). In dem Schrein die Gebeine der Märtyrer Cassius, Florentius und ihre Gefährten – die als Stadtpatrone von Bonn verehrt werden.

Ein paar Knochen, wird vielleicht man einer sagen, und über die Verehrung der Reliquien lächeln oder gar spotten: Was macht Ihr soviel Aufhebens darum. Aber die Mutter, die die erste Locke ihres Kindes aufbewahrt und hütet, wird uns verstehen. Sie erinnert sie vielleicht an das erste Lachen ihres Kindes. Der alte Mann, der nach über 50 Ehejahren den Ehering seiner verstorbenen Frau aufbewahrt, wird uns verstehen. Er erinnert ihn an gemeinsame Jahre und an viele Stunden erfahrener Liebe und Zuneigung. Und auch der Fußballfan, der den Elfmeterpunkt beim entscheidenden Spiel ausgegraben und in seinem Garten wieder eingegraben hat, wird uns verstehen. Er erinnert ihn an einen Glanzpunkt in der Geschichte seines Vereins und holt die Mannschaft gleichsam auf den Rasen hinter dem Haus.

Erinnerungsstücke, Reliquien (von lat. reliquiae „Zurückgelassenes, Überbleibsel“) , ohne großen materiellen Wert, doch für die Menschen von immenser Bedeutung. Sie sind ihnen heilig, besonders wertvoll.

Genauso wie die Reliquien der Stadtpatrone uns heilig sind. Über ihren Gräbern wurde das Münster erbaut. Damals im 11.Jahrhundert glaubten  die Menschen: wer die Reliquien von Heiligen besitzt, ist dem Himmel näher. Das machte sie so wertvoll. Schon viele hundert Jahre vorher, stand an dieser Stelle eine Kirche zu Ehren der Heiligen Cassius und Florentius. 691 findet sich eine erste Urkunde darüber.

Für Gerhard von Are, Propst des Cassius-Stiftes im 12.Jahrhundert, war das Münster, das er großzügig erweitern ließ, ein großer Schrein für den Schrein mit den Gebeinen der Heiligen. Um das Münster herum entstand das mittelalterliche Bonn. Unsere Stadt ist erbaut auf den Gräbern christlicher Märtyrer!

Die Gebeine der Stadtpatrone sind seit über 1300 Jahren das Heiligste, das wir in dieser Stadt haben. Deshalb war dieses Attentat auf den Schrein wie ein Stich ins Herz, der noch immer schmerzt, auch wenn wieder alles in Ordnung ist. Jede Zerstörung ist schlimm. Aber wenn der Täter etwas anderes attackiert hätte, würde man es leichter wegstecken.

Die Gebeine  überstanden die Wirren aller Zeiten . Brandschatzung, Plünderung, Zerstörung haben zwar die Schreine zerstört; aber die Reliquien blieben erhalten. Sie sind unser kostbarer Schatz.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie uns heute demütig machen. Denn wir erkennen an ihnen, dass die Geschichte (auch unseres Glaubens) nicht mit uns begonnen hat, sondern wir auf den Schultern anderer stehen. Weil sie uns verweisen auf das Lebensbeispiel von Menschen, die für ihren Glauben, für ihre Überzeugung ihr Leben gelassen haben. Ein Los, das leider heute vielen Christen auf der Welt beschieden ist. Unsere Märtyrer machen uns solidarisch mit ihnen.

Schon vor 1200 Jahren wird an unserem Münster eine Kleriker-Gemeinschaft nachgewiesen, deren Aufgabe es u.a. war, die Gebeine der Heiligen zu hüten. Das haben sie bis zum Jahre 1802 getan. Heute stehen wir in dieser langen Tradition. Unsere Zeit, in der vieles möglich zu sein scheint, was sich unsere Eltern und Großeltern nicht vorstellen konnten, stellt uns dabei vor neue Herausforderungen.
Allein schon deshalb ist nicht wieder alles in Ordnung!