Drei Worte – Permesso, grazie, scusi

War das eine Woche! Am Anfang stand die Sorge, wie es in der „causa Limburg“ weiter geht. Erste Meldungen von doch nicht (mehr) so gut unterrichteten Kreisen brachten zeitweise etwas Unruhe. Und dann kam das Wochenende mit einem neuen Schub für die Arbeit: die Messe mit über 2000 Ministrantinnen und Ministranten aus unserem Erzbistum, darunter auch viele aus Bonn, in St.Paul vor den Mauern war ein Erlebnis, das unter die Haut ging. Das Gespräch mit Kardinal Lajolo zeigte mir wie klar in Rom die Dinge gesehen werden und war von daher auch eine wirkliche Ermutigung. Gestern Nachmittag dann die Begegnung von Familien mit dem Papst. 90.000 Menschen auf dem Petersplatz und wir eher zufällig mittendrin. Es tat gut, vom Glauben der anderen mitgetragen zu werden. Und dann Papst Franziskus: so wie wir ihn aus den Medien kennen – jetzt aber live. Bescheiden und freundlich, offen in der Begegnung mit den Einzelnen und klar in seinen Worten. Drei Worte gab er uns mit auf den Weg: „Permesso – grazie – scusi! Darf ich – danke – entschuldige bitte!“

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Drei Worte, die den Alltag (auch in der Familie) bestimmen sollten. So gestärkt fahre ich gerne heim.

Nebel

Nebel im Herbst – für den Autofahrer ein Horror. Nur mühsam, voll konzentriert kommt er voran! Der Nebel im Herbst beschert mir einen wunderschönen Morgen in Assisi, der zum Gleichnis wird. Schwer liegt der Nebel über dem Spoleto-Tal und hüllt alles ein. In der Nähe sind einige Konturen zu erkennen; aber die große Masse ist nur grau in grau. Es scheint, also ob vieles Liebgewordenene einfach verschluckt ist. Die Sonnenstrahlen klettern über die Berge und der Kampf mit dem Nebel beginnt.
So langsam löst sich in der Ferne aus der grauweißen Eintönigkeit die Silhouette von Santa Maria degli Angeli im Tal. Mein Leben kennt solche Bilder auch. Nebel liegt über meinem Alltag. Vieles, was einmal klar gewesen, vieles Vertrautes ist plötzlich nicht mehr sichtbar; eingehüllt in einen seltsamen Nebel von Fragen und Zweifeln, von Unverständnis und Unsicherheit. Da bedarf es der Wärme einer Sonne, die Konturen wieder sichtbar werden lässt und Orientierung möglich macht. Das können Menschen sein oder auch Worte, die Kraft besitzen. Und schließlich Gott selbst, der mir neue Gewissheit schafft. Silja Walter hat es in einem Gebet so ausgedrückt: „Die Nacht ist vergangen, wir schauen erwartend den steigenden Tag und grüßen dich, Christus. Die Nebel entweichen im Glanze der strahlenden Klarheit und Kraft des kommenden Christus!“

20131025-103358.jpg Am Morgen in Assisi hatte ich einen Standort, der mich gelassen zusehen ließ, wie sich die Nebel lösen. Wer im Nebel des Lebens steckt, hat nur die Hoffnung, dass er sich auflöst, und ihn nicht länger gefangen hält. Ich wünsche mir dann auch diese hoffnungsvolle Gelassenheit.

Schatten(seiten)

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Schatten(seiten) hat jeder, nicht erst seit C.G.Jung. Wenn man keine gestörte Selbstwahrnehmung hat, kennt man sie schon selbst sehr gut. Unser unvergessener Erzbischof Kardinal Höffner wusste dazu immer eine kleine Geschichte zu erzählen. Ein Mann wollte vor seinem Schatten fliehen, aber wohin er auch lief, immer folgte ihm sein Schatten. Wäre er nur einmal in den Schatten des Kreuzes getreten, so der Erzbischof, dann hätte sein Schatten ihn nicht mehr gejagt. Daran wurde ich erinnert, als ich in Poggio Bustone im Rieti-Tal den Schatten sah, den das Kreuz in der kleinen Klosterkirche warf. Dort oben am Hang der Berge wird jener Ort lokalisiert, an dem Franziskus die Gewissheit erlangte, seine Sünden seien ihm vergeben. „Gran Perdono“, sagen die Italiener. „Die große Vergebung“. Viele tun sich schwer damit, zu glauben, dass Gott ihnen vergibt. Besonders wenn sie mit Angst vor dem strafenden Gott erzogen worden sind, verfolgt sie ihr Schatten unbarmherzig. Unser Papst Franziskus predigt uns den barmherzigen Gott: „Für Gottes Barmherzigkeit – das wissen wir – ist nichts unmöglich! Auch die verworrensten Knoten lösen sich mit seiner Gnade.“ (12.10.2013)
Für Franziskus von Assisi begann die geistige Erneueuerung mit dem ehrlichen Bekenntnis angesichts seiner „schlecht verbrachten Jahre“: „Gott , sei mir Sünder gnädig“. Papst Franziskus sagt: „Wenn wir merken, dass wir Sünder sind, finden wir die Barmherzigkeit Gottes, der immer vergibt. Vergesst das nicht: Gott vergibt immer und nimmt uns in seiner verzeihenden und barmherzigen Liebe an.“ (29.5.2013) Was also hindert uns in den Schatten des Kreuzes zu treten.

Greccio – Bonn

Greccio 19.10.2013
Wie an den Felsen geklebt erscheint das Kloster von Greccio. Dort hat der Heilige Franziskus 1223 die erste Krippendarstellung gebaut. Die Menschen sollten mit eigenen Augen sehen, in welcher Einfachheit Gott Mensch wurde. Nicht im Palast der reichen Herren, sondern in der Armut des Stalles von Bethlehem. Die Menschen seiner Zeit haben das Zeichen verstanden. Der Wald von Greccio war erfüllt von den Lobgesängen der Menschen. Inzwischen sind die Krippen in unseren Häusern zur Wohnzimmer-Dekoration verkommen und auch in vielen Kirchen ergötzt man sich an kunstvollen Darstellungen ohne sich von dem Ereignis selbst berühren zu lassen. Die Krippe im Bonner Münster an diesem Weihnachtsfest 2013 will dem Vorbild des Heiligen Franziskus nacheifern: so wie er das Weihnachtsgeschehen im Wald von Greccio ansiedelte, so werden wir das Ereignis von Bethlehem in der Kulisse unserer Stadt darstellen. Das wird manche Betrachterin und manchen Betrachter verwirren, aber hoffentlich wird die Botschaft genau wie hier in Greccio verstanden.

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