Nebel

Nebel im Herbst – für den Autofahrer ein Horror. Nur mühsam, voll konzentriert kommt er voran! Der Nebel im Herbst beschert mir einen wunderschönen Morgen in Assisi, der zum Gleichnis wird. Schwer liegt der Nebel über dem Spoleto-Tal und hüllt alles ein. In der Nähe sind einige Konturen zu erkennen; aber die große Masse ist nur grau in grau. Es scheint, also ob vieles Liebgewordenene einfach verschluckt ist. Die Sonnenstrahlen klettern über die Berge und der Kampf mit dem Nebel beginnt.
So langsam löst sich in der Ferne aus der grauweißen Eintönigkeit die Silhouette von Santa Maria degli Angeli im Tal. Mein Leben kennt solche Bilder auch. Nebel liegt über meinem Alltag. Vieles, was einmal klar gewesen, vieles Vertrautes ist plötzlich nicht mehr sichtbar; eingehüllt in einen seltsamen Nebel von Fragen und Zweifeln, von Unverständnis und Unsicherheit. Da bedarf es der Wärme einer Sonne, die Konturen wieder sichtbar werden lässt und Orientierung möglich macht. Das können Menschen sein oder auch Worte, die Kraft besitzen. Und schließlich Gott selbst, der mir neue Gewissheit schafft. Silja Walter hat es in einem Gebet so ausgedrückt: „Die Nacht ist vergangen, wir schauen erwartend den steigenden Tag und grüßen dich, Christus. Die Nebel entweichen im Glanze der strahlenden Klarheit und Kraft des kommenden Christus!“

20131025-103358.jpg Am Morgen in Assisi hatte ich einen Standort, der mich gelassen zusehen ließ, wie sich die Nebel lösen. Wer im Nebel des Lebens steckt, hat nur die Hoffnung, dass er sich auflöst, und ihn nicht länger gefangen hält. Ich wünsche mir dann auch diese hoffnungsvolle Gelassenheit.

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