Zeitdiebe

Spätestens seit Michael Endes Kinderbuch „Momo“ kennen wir die Zeitdiebe, jene grauen Herren, die als Agenten der Zeitsparkasse, den Menschen vorgaukeln, man gönne reich an Zeit reich werden, in dem man Zeit spart. Stattdessen wird das Leben hektischer. Man kennt keine Pause, keine Freizeit, kein Vergnügen. Das Leben wird arm und freudlos, weil niemand mehr Zeit für den anderen übrig hat.

Eigentlich bedurfte es nicht dieser Geschichte, die dank der Schildkröte Kassiopeia und Meister Hora ein gutes Ende nimmt, um uns auf die Gefährlichkeit der Zeitdiebe aufmerksam zu machen. Wir kennen sie nur allzu gut; denn sie sind ein Teil von uns. Manchmal bedarf es eines kritischen Blicks auf das eigene Zeitmanagement, um sie zu enttarnen.

Da klingt es verlockend, wenn uns die Werbung auffordert, „Zeit für sich selbst zu haben“. Jeder kennt das: irgendwo in unserem Herzen gibt es die Wünsche, dies oder jenes werde ich mal machen, wenn ich Zeit habe. Die Zeit für uns selbst ist wichtig! „Quality time“ wird sie in einem Zeitmanagementsystem genannt. 

Aber es gibt daneben auch eine Zeit, die sich zwar nicht mehr vermehrt, sondern die wertvoller wird, wenn man sie nicht behält, sondern weggibt. „Die Zeit für andere“, die Zeit, die ich verschenke – an meine Kinder oder Enkel, an meinen Partner, an meine Eltern und Großeltern, an andere Menschen, denen ich mit meinen Fähigkeiten etwas Gutes tun kann.

Zeit zu verschenken – ein probates Mittel gegen die Zeitdiebe unserer Tage.

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