Berührt am Samstagmorgen

veruntreute_Himmel Überraschung am Samstagmorgen. Der WDR zeigt einen Film aus den 50er Jahren: „Der veruntreute Himmel“ und ich erinnere mich, wie ich vor 57 Jahren mit meiner Oma im Bonner Atrium-Kino (wer weiß noch, wo das war?) diesen Film anschaute.

Pius XII. war gerade gestorben und man machte Reklame mit dem authentischem Bildmaterial des verstorbenen Papstes  bei einer seiner letzten Massenaudienzen, das in diesen Film hineingeschnitten war. In dieser Verfilmung von Franz Werfels Roman dreht sich alles um die streng religiöse Köchin Teta, die sich einen Platz im Paradies sichern will, indem sie ihrem Neffen die Priesterausbildung ermöglicht. Erst im hohen Alter erfährt sie, dass der Neffe sie über all die Jahre belogen hat. Kirche und Religion bedeuten ihr alles. Ihre große Sorge ist,  ob sie nach ihrem Tod auch wirklich in den Himmel kommen wird. Als der Schwindel auffliegt, wird ihr bewusst, wie selbstsüchtig sie gehandelt hat. Eine Pilgerfahrt nach Rom versöhnt sie wieder.

Immer wenn mir dieser Film wie heute morgen zufällig im Fernsehen begegnet, bin ich sehr berührt. Einmal weil er zu den tiefen Erinnerungen an meine Kindheit gehört. Zum anderen weil eine Kirche darin sichtbar wird, die ich damals auch geliebt habe. Aber diese Kirche war  im Oktober 1958 schon ein  auslaufendes Modell; denn auf den triumphalistischen Pius XII. folgte der demütige und bescheidene Johannes XXIII. Sein Konzil war wie eine große Befreiung – auch für mich.

Weshalb ergreift mich der Film auch heute noch, für den die postmodernen Zeitgenossen wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln übrig haben? Er lässt mich staunend auf meine eigene Biografie schauen. Das Leben fordert mich immer heraus, „à jour“ zu sein: ein heutiger Mensch zu sein. („Aggiornamento“ sagte Johannes XXIII.) So wie ich mich als Junge für Pius XII. begeistern konnte und mich als Student und junger Priester Paul VI. prägte, so liebe ich heute diese Kirche und Papst Franziskus. Nur „Gestrige“ kleben an den alten Dingen und trauern über Verlorengegangenes. Dabei verpassen sie das Schöne der Gegenwart und sie merken nicht, wie die Zeit über sie hinweggeht.

Übrigens auf Youtube ist der ganze Film zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=LxTErTo_DRQ

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