Licht in der Dunkelheit

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Fenster in der Kirche in Boden/Tirol

Nebel und Nässe, grauverhangener Himmel und auch der erste Frost prägen diesen Monat November. Der Abschied vom Sommer ist endgültig, die Natur hat ihren farbenprächtigen Mantel abgelegt,
mit dem sie sich in den letzten Wochen noch einmal üppig geschmückt hatte und das Kleid des Todes übergezogen. Die Kälte kündet schon vom bevorstehenden Winter. Es zieht uns zurück in die Häuser, ins Trockne und Warme. Die Elemente draußen verbreiten
eine Ahnung vom Tod: der Nebel, der sich wie ein Schleier über dieWelt legt und alles scheinbar Bekannte geheimnisvoll verhüllt, lässt uns einsam, melancholisch werden. Da tut es gut, dass das kirchliche Brauchtum in diesen Tagen einen anderen Akzent setzt: das Martinsfest wirkt wie ein Kontrast in diesem düsteren Monat.
Das Licht der Laternen und das Martinsfeuer kämpfen an gegen den Nebel und die Dunkelheit. Die frohen Lieder, die die Kinder singen, künden von der Tat des Heiligen, die ihm in den Herzen der Menschen einen Platz gesichert hat: mit einem Bettler am Stadttor von Amiens teilte er seinen Soldatenmantel. Gewiss nur ein kleiner Akt der Nächstenliebe und doch spüren die Menschen durch die Jahrhunderte hindurch, dass solche Taten das Leben eigentlich ausmachen, das Leben ermöglichen. Das Martinsfest markierte früher den letzten Tag vor der damals noch üblichen Fastenzeit vor Weihnachten. Nach einem üppigen Mahl begann die Zeit der Vorbereitung auf jenes Fest, das von der Liebe Gottes zu den Menschen in einer Weise kündet, die Menschen selbst sich nicht ausdenken können: „Gott wird Mensch!“

Das Weihnachtsfasten gibt es nicht mehr. Aber trotzdem begegnet uns das Fest in unseren Großstädten schon auf Schritt und Tritt: die Dekorationen und Illuminationen der Geschäfte sprechen eine eindeutige Sprache. Wir spüren, dass das kalte Licht dieser Kerzen die Dunkelheit unseres Lebens nicht durchdringen kann. Die Geschenke, die da angeboten werden, sind kaum dazu angetan, anderen das Leben zu ermöglichen. In den Martinsfackeln der Kinder jedoch leuchtet schon das Licht der Heiligen Nacht auf und das Leben des Heiligen erscheint so wie der Widerschein jener Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden und die allein das Leben schenkt über den Tod hinaus.

Ich will noch einmal die Netze auswerfen!

(c) Eckstein/Pixelio

(c) Eckstein/Pixelio

Unser Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hat mich zum 1. September 2016 für weitere sechs Jahre im Amt des Stadtdechanten bestätigt. Der Verlängerung war eine Befragung des Katholikenrates und der Bonner Dechanten vorausgegangen. Zu einem Zeitpunkt, in dem andere Zeitgenossen über ihre Rente nachdenken, bin ich bereit, noch einmal anzutreten. Ich danke dem Erzbischof ebenso wie dem Katholikenrat und meinen Mitbrüdern in Bonn für das Vertrauen. Alleine kann ich diese Aufgabe nicht bewältigen. Deshalb bin ich sehr dankbar für ein starkes Team an Referentinnen und Referenten, die sich mit mir zusammen um die Kirche in der Stadt sorgen.
Für mich ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre die pastorale Neuausrichtung des Erzbistums. Dieser geistliche Weg, zu dem der Erzbischof aufgerufen hat, ist eine große und wichtige Herausforderung auch für uns in Bonn. Aber dank so vieler kompetenter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unzähliger engagierter Katholiken vor Ort in den Gemeinden bin ich zuversichtlich, dass wir gemeinsam diesen Weg gehen und fördern können. Ich bin noch einmal angetreten, weil ich glaube und hoffe, dass dieser Weg hilft, der Kirche ein Gesicht zu geben, von dem sich weniger Menschen als bisher abwenden. Das erscheint mir dringend notwendig zu sein.
Der Erzbischof beabsichtigt, in naher Zukunft die noch bestehenden Dekanate (in Bonn sind es vier) aufzulösen und damit die Aufgaben der Stadt- und Kreisdechanten zu vermehren. Ich möchte dann noch mehr ein gutes Auge auf die hauptamtlichen Pastoralkräfte werfen, die oft bis an ihre Leistungsgrenze gefordert werden.
So bleibe ich also – als Stadtdechant und als Münsterpfarrer. „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen“, hieß es am heute am 1.September im Tagesevangelium. Ich bitte Sie um Ihr Gebet, dass die Netze nicht leer bleiben.

Msgr. Wilfried Schumacher | Münsterpfarrer

Persönliche/r Referent/in gesucht

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Mein bisheriger persönlicher Referent wechselt als Diakon in den hauptamtlichen Dienst. Deshalb wird bei mir eine Stelle frei. Ich suche

Persönliche/n Referenten/in des Stadtdechanten und Leiters der Citypastoral

mit einem Beschäftigungsumfang von 100%.

Diese interessanten Aufgaben erwarten Sie:

  • Sie arbeiten dem Stadtdechanten und Leiter der Citypastoral zu und führen sein Büro
  • Sie koordinieren die Arbeit der Referate und Einrichtungen des Stadtdekanates und der Citypastoral
  • Sie unterstützen organisatorisch Veranstaltungen und begleiten Projekte auf Stadtebene und in der Citypastoral
  • Sie sorgen für den ungehinderten internen Betriebsablauf in unserem Haus mit rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Sie verantworten einzelne Bereiche und kommunizieren intern die Entscheidungen der Leitungsebene
  • Sie vertreten die Leitung im Binnenverhältnis

Sie passen zu uns, wenn Sie

  • fundierte Kenntnisse innerkirchlicher Abläufe besitzen,
  • ein Organisationstalent sind und in komplexen Situationen den Überblick behalten,
  • selbstständig und im Bewusstsein der Verantwortung für das Ganze arbeiten wollen,
  • teamfähig, überzeugungsstark, souverän und kreativ sind,
  • ein hohes Maß an Eigeninitiative und Flexibilität mitbringen,
  • sehr gute Kenntnisse in allen gängigen Office-Anwendungen und im Internet haben,
  • mit den sozialen Medien vertraut sind,
  • sicher in deutscher Sprache mündlich und schriftlich kommunizieren können.

Die Anstellung und Vergütung erfolgt auf Grundlage der kirchlichen Arbeits- und Vergütungsordnung (KAVO). Außerdem bieten wir eine zusätzliche Altersversorgung sowie weitere Sozialleistungen.

Wenn Sie diese werteorientierte Herausforderung reizt, Sie der katholischen Kirche angehören und im Leben der katholischen Kirche verankert sind, dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Bitte schicken Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen bis zum 31.08.2016 zu. Die eingehenden Bewerbungen werden vertraulich behandelt.

Katholisches Stadtdekanat Bonn, StS Verwaltung
Gerhard-von-Are-Straße 5, 53111 Bonn
stadtdekanat@katholisch-bonn.de

Bei Fragen zu unserem Stellenangebot erhalten Sie Informationen bei Herrn Klaus Ersfeld (0228/98588-93).

 

Ein Stich ins Herz!

SchreinDer Schrein steht wieder an seinem Platz. Der Sachschaden ist wohl nicht sehr hoch. Alles also wieder in Ordnung? Auf den ersten Blick: Ja – und doch bleibt etwas zurück, was ich auch 400km von Bonn entfernt noch spüre.

Was ist passiert? Ein Mann reißt den 100 Zentner schweren Schrein aus seiner bronzenen Umhüllung in der Krypta des Münsters und lässt ihn zu Boden fallen. (Ob er geistig verwirrt ist oder nicht, ändert nichts an der Tatsache). In dem Schrein die Gebeine der Märtyrer Cassius, Florentius und ihre Gefährten – die als Stadtpatrone von Bonn verehrt werden.

Ein paar Knochen, wird vielleicht man einer sagen, und über die Verehrung der Reliquien lächeln oder gar spotten: Was macht Ihr soviel Aufhebens darum. Aber die Mutter, die die erste Locke ihres Kindes aufbewahrt und hütet, wird uns verstehen. Sie erinnert sie vielleicht an das erste Lachen ihres Kindes. Der alte Mann, der nach über 50 Ehejahren den Ehering seiner verstorbenen Frau aufbewahrt, wird uns verstehen. Er erinnert ihn an gemeinsame Jahre und an viele Stunden erfahrener Liebe und Zuneigung. Und auch der Fußballfan, der den Elfmeterpunkt beim entscheidenden Spiel ausgegraben und in seinem Garten wieder eingegraben hat, wird uns verstehen. Er erinnert ihn an einen Glanzpunkt in der Geschichte seines Vereins und holt die Mannschaft gleichsam auf den Rasen hinter dem Haus.

Erinnerungsstücke, Reliquien (von lat. reliquiae „Zurückgelassenes, Überbleibsel“) , ohne großen materiellen Wert, doch für die Menschen von immenser Bedeutung. Sie sind ihnen heilig, besonders wertvoll.

Genauso wie die Reliquien der Stadtpatrone uns heilig sind. Über ihren Gräbern wurde das Münster erbaut. Damals im 11.Jahrhundert glaubten  die Menschen: wer die Reliquien von Heiligen besitzt, ist dem Himmel näher. Das machte sie so wertvoll. Schon viele hundert Jahre vorher, stand an dieser Stelle eine Kirche zu Ehren der Heiligen Cassius und Florentius. 691 findet sich eine erste Urkunde darüber.

Für Gerhard von Are, Propst des Cassius-Stiftes im 12.Jahrhundert, war das Münster, das er großzügig erweitern ließ, ein großer Schrein für den Schrein mit den Gebeinen der Heiligen. Um das Münster herum entstand das mittelalterliche Bonn. Unsere Stadt ist erbaut auf den Gräbern christlicher Märtyrer!

Die Gebeine der Stadtpatrone sind seit über 1300 Jahren das Heiligste, das wir in dieser Stadt haben. Deshalb war dieses Attentat auf den Schrein wie ein Stich ins Herz, der noch immer schmerzt, auch wenn wieder alles in Ordnung ist. Jede Zerstörung ist schlimm. Aber wenn der Täter etwas anderes attackiert hätte, würde man es leichter wegstecken.

Die Gebeine  überstanden die Wirren aller Zeiten . Brandschatzung, Plünderung, Zerstörung haben zwar die Schreine zerstört; aber die Reliquien blieben erhalten. Sie sind unser kostbarer Schatz.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie uns heute demütig machen. Denn wir erkennen an ihnen, dass die Geschichte (auch unseres Glaubens) nicht mit uns begonnen hat, sondern wir auf den Schultern anderer stehen. Weil sie uns verweisen auf das Lebensbeispiel von Menschen, die für ihren Glauben, für ihre Überzeugung ihr Leben gelassen haben. Ein Los, das leider heute vielen Christen auf der Welt beschieden ist. Unsere Märtyrer machen uns solidarisch mit ihnen.

Schon vor 1200 Jahren wird an unserem Münster eine Kleriker-Gemeinschaft nachgewiesen, deren Aufgabe es u.a. war, die Gebeine der Heiligen zu hüten. Das haben sie bis zum Jahre 1802 getan. Heute stehen wir in dieser langen Tradition. Unsere Zeit, in der vieles möglich zu sein scheint, was sich unsere Eltern und Großeltern nicht vorstellen konnten, stellt uns dabei vor neue Herausforderungen.
Allein schon deshalb ist nicht wieder alles in Ordnung!

Mann oder Frau gesucht!

307783_original_R_K_by_Judith Lisser-Meister_pixelio.deIch gebe zu, seitdem ich weiß, was die Generalsanierung des Bonner Münsters kosten wird, schlafe ich schlechter. Jetzt liegt die Zahl auf  dem Tisch: 20,22 Millionen Euro plus/minus 30% nach oben und unten (wobei ich mir „nach unten“ kaum vorstellen kann). Wer soll das bezahlen? Ich bin gewiss, das Erzbistum Köln wird einen großen Teil der Kosten aus Kirchensteuer-Mitteln finanzieren. Aber es wird „etwas“ für uns übrig bleiben. Für uns, damit meine ich die Kirchengemeinde und die Gemeinde am Bonner Münster. Es gibt Dinge, die uns wichtig sind (etwa das Thema „Inklusion“), die wir auf jeden Fall auch umsetzen wollen. Schließlich wollen wir nicht nur das Gebäude erhalten, sondern es zukunftsfähig machen für kommende Generationen.

Alles kostet Geld. Ideen an Geld zu kommen, haben wir viele. Aber wer setzt sie um?

Wir benötigen jemanden, der die Ärmel hochkrempelt und sagt: Das Münster ist meine Sache! Dafür putze ich Klinken, dafür schreibe ich Briefe und Mails, dafür greife ich zum Telefonhörer. Mann oder Frau mit Liebe zum Münster. Mann oder Frau mit Kreativität und Einsatzbereitschaft! Jemand, der los marschiert! Jemand, den wir bisher vielleicht noch nicht im Blick hatten. Ein Kopfgeld kann ich nicht aussetzen für sachdienliche Hinweise  – aber dankbar wäre ich schon dafür. Und ein Essen im Kreuzgang wäre schon drin!

(Fotoquelle: pixelio.de/Judith Lisser-Meister)

Freunde treffen in Bethlehem

Stell Dir vor, Du kommst nach Bethlehem und Dich empfangen Freunde. So geschehen während unserer Israel-Reise. In der Geburtsstadt Jesu empfingen uns die Salesianer-Patres, mit denen wir über die Aktion „Bonn hilft Bethlehem“ verbunden sind. In der Krippenausstellung in ihrem Haus sind mehrere hundert Krippendarstellungen zu sehen. Eine hat mich besonders fasziniert.

Sie wurde 2010 von einem italienischen Künstler aus Carara-Marmor geschaffen und reduziert das Geschehen von Bethlehem auf das Wesentliche. Wo sind die Engel? Für mich sind die Patres und Lehrer hier die Engel, die den jungen Menschen in ihrer Schule ädie frohe Botschaft von einem Gott verkünden, der der Friede ist, gütig und barmherzig. Der durch seine Menschwerdung die Würde eines jeden Menschen erneuert.

Wo sind die Hirten, die Armen, die Chancenlosen? Für mich sind es die rund 150 jungen Menschen, die auf der Technical School der Salesianer eine Ausbildung erhalten und damit eine Perspektive für ihre Zukunft. Sie kommen aus den pälästinesischen Städten und Dörfern und lernen von ihren Familien oft nur den Hass. Bei den Salesianern hören sie eine andere Botschaft. Hier stoßen sie nicht auf Mauern, sondern auf Zuwendung und Menschlichkeit. Hier hören sie von den Werten, die für das Zusammenleben unerlässlich sind.

So bleibt die steinerne heilige Familie im Museum der Salesianern nicht allein. Sie ist umgeben von lebendigen Menschen, die die Botschaft lebendig machen. Wie sagte der Engel im Evangelium: „HEUTE ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren“. Er meinte damit nicht den 25.12. im Jahre 0. Er meinte HEUTE – und das ist immer dann, wenn Menschen die alte Botschaft lebendig werden lassen.

Mehr zur Aktion: Bonn hilft Bethlehem
 

Wir stehen auf den Schultern anderer

 

  „Gottes eigenes Land“ nennen die Menschen Yorkshire. Sie haben recht: ein fruchtbares Land mit weiten Feldern, Wiesen, Weiden. Und dazwischen immer wieder Zeugnisse gelebten Christseins und eindrucksvoller christlicher Geschichte. Man staunt heute noch, welche Kulturleistung die Benediktiner und nach ihnen die Zisterzienser dort vollbracht haben. Die Ruinen der Klosteranlagen lassen noch heute ihre Größe erkennen. Mehrere hundert Mönche und Brüder lebten dort in den Blütenzeiten des 12. , 13. und 14 Jahrhunderts. Die Abspaltung von Rom unter Heinrich VIII. zu Beginn des 16.Jahrhunderts hatte auch die Zerstörung dieser großen geistlichen Zentren zur Folge. 

Während man durch’s Land fährt hört man Geschichten von Männern aus dem 7.Jahrhundert, die den christlichen Glauben aufs europäische Festland gebracht haben: Willibrord, Suitbertus, Winfried (Bonifatius) . Vorausgegangen war eine wegweisende Entscheidung, die massgeblich von Wilfrid von York beeinflusst worden war: man wollte eine „römische“ Kirche sein, weltumfassend und nicht auf die eigene Nation beschränkt.

 

 Plötzlich wird mir wieder bewusst: wir stehen auf den Schultern anderer. Mit uns hat der Glaube nicht begonnen. Wir haben ihn geerbt von unseren Eltern, Großeltern und Lehrern. Wir, die wir uns oft für den Nabel der Welt halten, sind nur ein winziger Teil in der Geschichte der Menschheit. Dann kann man nur demütig und bescheiden werden. Welche Spuren werden wir einmal hinterlassen? Werden die Menschen dann beim Anblick unserer Werke auch spüren wie groß unser Glaube war – so wie in den verlassenen Abteien in Gottes eigenem Land?

Bilder von der Reise durch Yorkshire mit dem Bonner Münster Bauverein gibt es hier: https://flickr.com/photos/133589133@N08/sets/72157657663330149

78 Millionen für einen Menschen!

„Kevin de Bruyne wechselt wahrscheinlich für 78 Millionen € von Wolfsburg nach Manchester“ – der Moderator im Morgenmagazin verkündet es so als ob er ankündigen wolle, dass bei ALDI oder EDEKA der Milchpreis um 2 Cent sinkt oder steigt.
78 Millionen € für einen Menschen! Mir stockt der Atem. Ob Fußballspieler eigentlich wissen, dass sie gehandelt werden wie eine Ware? Fußballvereine sind heute große Wirtschaftsunternehmen. Hin und wieder wie im Fall Hoeness konnte man einen kleinen Blick hinter die Finanzkulissen erhaschen. Die Spieler –sie nennen sich Sportler – müssen für Geld „spielen“, kämpfen wie die bezahlten Gladiatoren in den römischen Arenen. Und da Geld nicht stinkt, was auch schon die alten Römer wussten, tun sie das gerne angesichts der Millionen, die auf ihren Bankkonten eingehen.
Mich stört das schon seit vielen Jahren. Ich bin kein Fußballfan; aber meine Sympathie gehört dem 1.FC Köln und es macht mir auch Freude mit anderen manches Fußballspiel im Fernsehen anzuschauen.
Nur die Gehälter der Spieler und die Transfersummen sind unverhältnismäßig. Die Polizisten, die vor den Stadien für Ordnung sorgen, müssen Jahrzehnte arbeiten, um nur ein Jahresgehalt der Kicker zu verdienen. Und die Krankenschwester, die den verletzten Star im Krankenhaus auf der Privatstation pflegt, muss damit leben, dass ihr Gehalt um ein paar Euro ansteigt, was oft nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren.
Das mag einfach klingen und ich will auch keinen Sozialneid schüren. Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die mehr und andere, die weniger als andere verdienen. Aber Papst Franziskus fordert uns auf „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ zu sagen. In Evangelii Gaudium lesen wir: „Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht.“ (EG 53) Papst Franziskus nennt es „die große Herausforderung der Welt“ die „Globalisierung der Diskriminierung und der Gleichgültigkeit“ durch die „Globalisierung der Solidarität und Brüderlichkeit“ zu ersetzen. Für ihn steht fest: „Die Ungleichverteilung der Einkünfte ist die Wurzel der sozialen Übel.“ Angesichts der vielen Flüchtlinge, die zur Zeit auf dieser Erde unterwegs sind, macht mich die Meldung über den Fußballer-Transfer zornig. Ich fürchte, der Papst hat recht: die Masse nimmt es hin!

Angst vor dem Kulturschock

 

 Ich gestehe: ich habe Angst vor dem Kulturschock. Jetzt bin ich 14 Tage auf der Insel und habe mich an das Leben hier gewöhnt: keine Autos, kein Lärm, nur das Klappern der Pferdehufe. Keine Hektik, das Leben wird entschleunigt und muss sich den Gezeiten des Meeres anpassen. Ich liebe es, in der Domäne Loog zu sitzen und bei einem Pott Tee auf die Weite der Salzwiesen, des Watts und des Wassers je nach Tageszeit schauen. In den zwei Wochen habe ich die Reste der Schafskälte erlebt und ich bin im Pullover am Strand entlang gelaufen. Die letzten Tage waren schweißtreibend und am Abend war ich dankbar für die frische Brise, die vom Meer herüber wehte. „Wo geht’s heute hin“, die Frage, die oft am Anfang eines Urlaubstages steht, war schnell beantwortet: entweder per Fahrrad nach Osten zum Flugplatz oder nach Westen zur Domäne Bill. Und dann zu Fuß weiter. Mal kam der Wind von vorne, mal gab einem der Wind zusätzliche Schubkraft. 

Ich habe die Tage genossen – und morgen soll ich wieder aufs Festland und dann auch noch nach Berlin. Ich fürchte, es wird ein Kulturschock werden und ich werde mich zurücksehnen auf die 500 Meter zwischen Sandstrand und Wattenmeer. Heute morgen habe ich den Menschen im Gottesdienst von der Maus Frederik erzählt, die im Sommer fleißig Sonnenstrahlen, Farben und Worte für die grauen Wintertage gesammelt hatte. Vorräte, die wir in der Vorratskammer unserer Seele sammeln. Vorräte, denen Rost und Motten nichts anhaben können. (vgl. Matthäus-Evangelium 6 Kapitel 19,Vers)

Ich hoffe, ich  habe meine Vorratskammer in den letzten beiden Wochen gut aufgefüllt. Dann will ich es auch gerne für ein paar Tage mit Berlin versuchen, wo ich halb dienstlich, halb privat hin muss. Doch ein bißchen Angst bleibt doch.

Mehr Bilder von einem entschleunigten Urlaub gibt es hier

Gott ist mein Lotse

 

 „God is myn Leidsmann“ steht auf den Kacheln am Eingang des Insel-Pfarrhauses. Die erste Assoziation „Gott ist mein Leidensgefährte“ gefiel mir, weil sie mich erinnerte an die Solidarität des Gekreuzigten mit den Leidenden dieser Welt und auch mit mir mit meinen kleinen Leiden. Aber ich wurde belehrt: „Leidsmann“ leitet sich ab vom neuenglischen „loadsman“ und heißt übersetzt Lotse. Das altenglische Wort „lād“ (Weg) steckt genauso darin wie „ lǣdan“ (leiten). 

„Gott ist mein Lotse“ – ein Wort, das hier an die Küste besser passt als das bäuerliche „Gott ist mein Hirte“, das uns im 23. Psalm überliefert wird. Die Menschen hier wissen, wie wichtig ein Lotse ist, der die Fahrrinnen kennt, der weiß, wo Riffs und Untiefen lauern, der Entfernungen abschätzen kann, Wind und Wolken deuten und dafür sorgt, dass das Schiff den sicheren Hafen oder die Freiheit des offenen Meeres erreicht.

Die biblischen Bilder stimmen auch hier: Gott führt mich, er leitet mich, seine Hilfe (sein Stock und sein Stab) geben mir Zuversicht.

Wir benötigen den Lotsen aber nicht nur auf dem Wasser. Auch im Dickicht oder im Gewirr unseres Alltags kann es notwendig werden, jemanden zu haben, der uns den richtigen Weg weist. Auch dort lauern Hindernisse, die uns auf Grund laufen lassen, und Untiefen, deren Strudel uns hinabreißen. Und wer die richtige Zeit verpasst, dessen Lebensschiff sitzt auf dem Trockenen und muss warten bis eine neue Flut kommt.

Es gibt viele, die sich uns als Lotsen andienen. Viele haben nur die eigenen Interessen im Blick. Manche machen lautstark in den Medien auf sich aufmerksam, aber ihre Worte sind Schall und Rauch. Sie versprechen, was sie nicht einhalten können.

Da gilt es, zu unterscheiden. „Gott ist mein Lotse“ – dieses Bekenntnis bewahrt davor, falschen Propheten zu folgen, und hilft, denen zu trauen, hinter deren Wirken Gott selbst sichtbar wird. Und wenn kein Mensch da ist, hilft auch ein Blick in die Heilige Schrift, durch die Gott selbst zu uns spricht.