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Martin - Relief in Amiens

Martin – Relief in Amiens

Man wundert sich schon, welche „Sau“ da jede Woche durch das „mediale Dorf“ getrieben wird. Dieses Mal findet das Martinsfest besondere Aufmerksamkeit. Die Linke in NRW meinte anmerken zu müssen, die Martinszüge müssten umbenannt werden, um insbesondere die muslimischen Kinder nicht zu zwingen, einen christlichen Heiligen zu verehren. Abgesehen von den Schlagzeilen, die dieser Vorschlag der 8,6-Prozent-Partei bescherte, ging sofort die Diskussion im Netz los: die einen sahen das Abendland in Gefahr, die anderen warnten im Netz vor jeder Aufregung und zeigten Verständnis. Nun haben die Linken weder die Christen verstanden noch die Muslimen. Sonst wüssten sie, dass das Teilen, für das der Heilige Martin steht, sowohl im Christentum als auch im Islam zu den wesentlichen Inhalten zählt. Zum Gebot, Almosen zu geben, gehört es im Islam, seinen Besitz mit Armen und Bedürftigen zu teilen. Da wundert es nicht, dass viele muslimische Kinder auch in unserer Stadt kein Problem damit haben, mit dem Martinszug zu ziehen und anschließend Schnörzen zu gehen. Die Mantelteilung am Stadttor von Amiens fällt übrigens biographisch in die Zeit, in der Martin noch gar kein Christ war. Aber nicht nur diese Tat, sondern sein ganzes Lebensbeispiel ließen ihn zum ersten christlichen Heiligen werden, der nicht den Märtyrertod starb. Seit dem fünften Jahrhundert wird der Bischof von Tours in Europa verehrt. Sein Mantel, Symbol der Haltung der Nächstenliebe, gehörte seit der Merowingerzeit zum Kronschatz der fränkischen Könige und reiste mit ihrem Hof von Aufenthaltsort zu Aufenthaltsort. In unserer Stadt gibt es den Martinszug übrigens seit 1920. Einer meiner Vorgänger hatte diesen Brauch, der in vielen Ländern üblich ist, vom Niederrhein mit nach Bonn gebracht. Die seltsame Idee der Linken macht mir weniger Sorge als die Eltern, die aus Angst davor, ihre Kinder mit religiösem Gedankengut in Verbindung zu bringen, selbst das Martinsfest ins Laternenfest umwandeln und lieber Halloween mit seinen Fratzen und seiner Todesangst feiern. Teilen macht mehr Freude!

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