Angst kann sich in unser Leben hineinfressen.
Sie nimmt uns die Luft zum Atmen – und manchmal auch das Gefühl, zu Hause zu sein.
Das Evangelium setzt dem etwas entgegen: kein billiges Trostwort, sondern ein Versprechen.
Eines, das trägt – mitten im Leben.
„Angst essen Seele auf“ –Ein alter Filmtitel, aber erschreckend aktuell.
Ein harter Satz. Aber ein wahrer Satz.
Angst kann sich in einen Menschen hineinfressen.
Sie nimmt ihm die Luft zum Atmen, die Kraft zum Leben.
Viele hier im Tal denken dabei unwillkürlich an die Katastrophe vor fast fünf Jahren heimgesucht hat.
Aber auch unabhängig davon wissen wir alle:
Angst hat viele Gesichter.
Sie gehört zu unserem Leben.
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ – so beginnt das 14.Kapitel im Johannes-Evangelium.
„Euer Herz sei ohne Angst!“, hieß es in früheren Übersetzungen.
Das sagt sich leicht.
Der Philosoph Martin Heidegger hat einmal gesagt:
„In der Angst ist einem un-heimlich.“
Das heißt: Angst bedeutet – ich habe kein Heim, ich bin nicht mehr zu Hause im Leben.
Ich verliere den Boden unter den Füßen.
Ich bin nicht geborgen.
Und genau in diese Erfahrung hinein spricht Jesus:
„Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“
Wenn Angst bedeutet: Ich habe kein Zuhause mehr –
dann trifft dieses Wort mitten ins Herz.
Gegen die Angst stellt Jesus kein Argument.
Er stellt uns ein Zuhause in Aussicht.
Ihr müsst nicht suchen.
Wer schon einmal auf Wohnungssuche war, der weiß, wie schwierig das sein kann.
Man sucht, man wartet, man hofft – und oft reicht es doch nicht.
Und dann sagt Jesus:
Ihr müsst nicht suchen. Ich habe einen Platz für euch vorbereitet.
Ich werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
Es geht also nicht um eine Behausung,
nicht um vier Wände und ein Dach über dem Kopf.
Es geht um eine Bleibe.
Es geht darum, dass wir bei Gott bleiben,
dass wir bei Gott geborgen sind –
nicht erst irgendwann in der Ewigkeit,
sondern schon jetzt.
Deshalb auch der Satz am Anfang:
„Glaubt an Gott, glaubt an mich!“
Das heißt nicht: Lernt den Katechismus auswendig.
Sondern: Lebt in Beziehung zu mir.
Vertraut mir.
Sprecht mit mir.
Lasst euch von mir tragen – gerade dann, wenn die Angst da ist.
So kann der Glaube helfen gegen die Angst.
Ein Zuhause schon jetzt
Es geht darum, dass wir bei Gott bleiben,
dass wir bei Gott geborgen sind –
nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern jetzt, hier.
Und genau davon spricht auch der erste Petrusbrief.
Nicht von einem Haus irgendwo im Himmel,
sondern von einem Haus mitten unter uns: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen.“
Dieses Haus steht nicht einfach fertig da, sodass wir nur einziehen müssten.
Nein – wir selbst sind Teil dieses Hauses. Wir sind lebendige Steine.
Das heißt:
Gott baut nicht ohne uns.
Dieses Haus wächst – durch uns.
Es ist kein starres Gebäude.
Aber es ist auch kein Luftschloss.
Es hat einen Grund, der trägt:
Jesus Christus selbst.
Er ist Grundstein, Bauherr und Baumeister in einem.
Wenn Angst bedeutet:
Ich bin nicht zu Hause, ich bin nicht geborgen –
dann heißt das Wort des Petrus:
Die christliche Gemeinde, die Kirche,
soll ein Ort sein, an dem Menschen Heimat finden.
Ein Ort, an dem Angst keinen Platz hat.
Wir wissen: Das ist nicht immer gelungen.
Kirche hat auch Angst gemacht.
Das darf nicht mehr sein!
Deshalb hat Papst Franziskus immer wieder von den ‚Revolution der Zärtlichkeit und der Liebe‘ gesprochen.
Für ihn sind Demut und Zärtlichkeit keine Tugenden der Schwachen, sondern der Starken.
Lassen wir uns also aufbauen
zu einem Haus aus lebendigen Steinen.
Ein Haus, in dem Demut und Zärtlichkeit wohnen.
Ein Haus, in dem Menschen aufatmen können.
Ein Haus, in dem die Angst kein Zuhause hat!






