Unser Leben gleicht oft einem ständigen Wechsel zwischen Aufgaben, Terminen, Erwartungen und Rollen. Wir hetzen von einem Augenblick zum nächsten und verlieren dabei leicht den Blick für das, was gerade ist. Im Evangelium lädt Jesus dazu ein, innezuhalten und Ruhe für die Seele zu finden. Vielleicht beginnt sie dort, wo wir lernen, einen Augenblick wirklich auszukosten.
Haben Sie auch den unglücklichen Jonathan Tah gesehen, am Montag beim Weltmeisterschaftsspiel. Immer und immer wieder wurde der verschossene Elfmeter im Fernsehen gezeigt. Die Technik macht möglich, was das Leben nicht zulässt: sie konserviert den Augenblick.
Unser Leben gleicht oft dem Hin- und Herschalten zwischen den Fernsehkanälen.
Unser Leben früher spielte auf wechselnden Bühnen: Familie, Beruf und Freizeit – mit unterschiedlichen Rollen.
Heute wechseln wir zwischen vielen Programmen: Ausbildung, Beruf, Familie, Hobbys, Beziehungen. Oft läuft alles gleichzeitig. Die Grenzen verschwimmen. Manches überlagert sich. Und nicht selten fühlen wir uns dabei zerrissen.
Das Leben ist schon mühsam.
Da lesen wir im Evangelium die Einladung Jesu (Mt 11,28-29).
Kommt alle zu mir,die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Jesus zitiert hier einen alttestamentlichen Propheten. Im Buch Jeremia lesen wir: Fragt, wo der Weg zum Guten liegt, geht auf ihm, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. (Jer 6,16)
Jeremia lädt dazu ein, nach dem guten Weg Gottes zu suchen.
Jesus geht noch einen Schritt weiter: Er verweist nicht nur auf einen Weg, sondern er selbst ist der Weg:
Kommt, ihr braucht nichts zu tun,
keinen Weg zu machen,
nur zu mir zu kommen.
Dieses Wort befreit von jedem religiösen Leistungsdruck. Einfach nur bei ihm zu sein, im Gebet, im Gottesdienst, in der Natur. Die heilige Theresa von Avila würde hinzufügen: auch zwischen den Kochtöpfen.
Es gibt viele Möglichkeiten, Gott nahe zu sein.
Noch etwas fällt mir auf. Das hebräische Wort, das hier mit „Ruhe“ übersetzt wird, kann sowohl „ruhen“ bedeuten, wie auch „in unruhiger Bewegung sein“.
Vielleicht dürfen wir das Wort Jesu deshalb .noch etwas weiterdenken: Ruhe bedeutet nicht unbedingt Stillstand. Vielleicht meint Jesus eine innere Ruhe, die selbst mitten in der Bewegung des Lebens bestehen kann.
Die Technik konserviert Augenblicke. Jesus dagegen lädt uns ein, Augenblicke auszukosten, nicht von Augenblick zu Augenblick hetzen.
Vielleicht ist das die Chance für diese Ferienwochen:
nicht jeden Augenblick festzuhalten,
im Video oder Handy-Foto, sondern tief ins sich drinnen.

Nicht von Augenblick zu Augenblick zu hetzen,
sondern einen Augenblick wirklich zu leben.
Einen Augenblick mit einem Menschen.
Einen Augenblick in der Natur.
Einen Augenblick mit Gott.





