
In der Nacht kann man nicht handeln, nicht aktiv sein. Sie wird zu einem Synonym der Ohnmacht, ja zu einem Bild für den Tod.
Ich erinnere mich noch gut an eine Osternacht, die ich mit Studierenden am See Genezareth feiern konnte. Wir hatten uns in der Nacht versammelt und uns gegenseitig Nacht-Geschichten erzählt.
Vielleicht könnten Sie auch eine solche Geschichte jetzt beisteuern: dazu gehört gewiss die Nacht der Flut, aber auch andere Erfahrungen in ihrem Leben voller Ohnmacht, Ausweglosigkeit, Geschichten von Gewalt und Lüge, von Trauer und Schmerz, eben Nachtgeschichten.
Ich glaube, es ist nicht vermessen, wenn ich sage: jedes Menschenleben kennt solche Nachterfahrungen.
Nächte können verdammt lang sein – heute allerdings feiern wir, dass unsere Nächte nicht endlos sind, besonders nicht die Nächte der Seele.
Im Glaubensbekenntnis bekennen wir: ich glaube an Jesus Christus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten. Orthodoxe Bilder zeigen dieses Reich des Todes, jenes dunkle schwarze Loch, jene endlose Nacht, wo stellvertretend für die ganze Menschheit Adam und Eva ihre Hände Christus entgegenstrecken, damit er sie befreie von diesem Ort der Einsamkeit, der Beziehungslosigkeit, der Gottesferne. Sie mit hinauf nehme zum Vater.

Auferstehung ist also nicht etwas, was Jesus allein betrifft. Seine Auferstehung gilt auch uns! Deshalb feiern wir heute: „Auferstandene sind wir!“
Christen sind nicht Zeugen des Todes, sondern Zeugen des Lebens.
Sie stehen nicht auf der Seite derer,
die meinen, alles selbst machen zu können,
die glauben, ohne Gott und gegen die anderen ihr Leben führen zu können und im Teufelskreis von Gewalt und Lüge gefangen sind.
Alles, was Leben zerstört, was Hoffnungen tötet und was Angst macht, passt nicht zu denen, die glauben: Auferstandene sind wir!
Das gilt für jeden einzelnen von uns, dort wo wir leben in unseren Familien, in unserem Beruf in unserer Freizeit müssen wir deutlich machen: Alles, was das Leben zerstört, alles was die Hoffnungen tötet und was Angst macht, dient nicht dem Leben.
Dazu haben wir uns verpflichtet. Als wir getauft wurden, haben wir uns vom Tod abgewandt und dem Leben zugewandt: „Wir wurden mit Christus begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,4).

Dieses neue Leben, diese neue Menschsein wurde bei der Taufe symbolisiert durch das Taufkleid – das neue Gewand. Auch wenn wir diesem Taufkleid längst entwachsen sind, wir tragen es ein Leben lang. Es ist wie eine unsichtbare Uniform der Christen, das immer dann sichtbar wird, wenn wir aus Liebe handeln, wenn unser Tun anderen die Zukunft nicht verbaut, sondern gewährt, wenn Menschen dadurch neue Hoffnung schöpfen.
Unser Taufkleid ist das Pilgerkleid jedes Christen, der unterwegs ist in den Nächten dieser Welt mit der glaubenden Gewissheit: Auferstandene sind wir ! Goldstücke sind wir!
Am Ende des Gottesdienstes erhielten die Mitfeiernden ein süßes Goldstück mit der Botschaft: „Du bist ein Goldstück“.
