Advent ist die Zeit des Wartens – eigentlich. Doch was bleibt davon übrig, wenn wir durch Lichterglanz und Termindruck hetzen? Ein Impuls, der ermutigt, sich nicht treiben zu lassen und neu zu entdecken, worauf wir wirklich warten.
Stell dir vor, es ist Advent und keiner wartet. Dieser abgewandelte Szenespruch passt auf die Wochen, die vor uns liegen – so wie wir sie vielerorts erleben. Statt geduldigem Warten begegnet uns überall hektische Betriebsamkeit. Vieles muss noch vor Jahresende erledigt werden, die Festvorbereitungen nehmen uns in die Pflicht, die Termine der „besinnlichen Stunden“ häufen sich – und doch kommt kaum jemand zur Besinnung. Es wartet niemand, höchstens auf die rechtzeitige Lieferung der eigenen Weihnachtsbestellungen.
Auch die Straßen unserer Städte vermitteln kaum Atmosphäre der Erwartung. Das Glitzern und Leuchten ihrer Dekorationen begrüßt eher einen bereits angekommenen Herrscher: „König Kunde“. Gewartet wird allenfalls an den Ladenkassen auf den Feierabend, wenn das Geld in den Kassen klingelt – süßer als alle Weihnachtsglocken. Viele sehnen die Festtage herbei, weil sie endlich Raum zum Atemholen schenken, den Stress zwischen Einkauf und Umtausch für einige Stunden unterbrechen.
So erleben wir den Advent – jedes Jahr aufs Neue. Und jedes Jahr nehmen es sich viele vor: Dieses Jahr wird es anders. Weniger Hektik, kleinere Geschenke, mehr Zeit füreinander und für die Besinnung. Vielleicht tragen wir alle tief in uns ein Vor-Bild davon, wie diese Zeit des Wartens eigentlich aussehen müsste.
Warten – das wissen wir – erfordert Geduld und Konzentration. Wir können nichts anderes tun, als auszuharren; deshalb wird die Zeit uns oft so lang. Ob jemand kommt und wann jemand eintrifft, bestimmt nicht der Wartende. Warten erfordert Gelassenheit, die wächst, je sicherer ich bin, dass es sich lohnt.
So tritt uns am 1. Adventssonntag die Kirche mit einer Frohbotschaft gegenüber: Euer Warten lohnt sich, denn ER kommt. Und dabei ist nicht nur das Ereignis von Bethlehem gemeint, dem die Aufgeregtheit dieser Wochen gilt. Es geht um das Kommen des Menschensohnes, der in das Chaos der Welt tritt – nicht um Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern um zu richten, aufzurichten und in Ordnung zu bringen.
Dabei ist nicht nur der Kosmos im Großen gemeint: Auch meine kleine Welt mit ihrer ganz persönlichen Unordnung wird von ihm berührt werden. Die Sorgen des Alltags müssen mich angesichts dessen nicht verwirren; sie würden das Durcheinander nur vergrößern.
Er wird kommen und alles richten. Deshalb lohnt sich das Warten.
Wir brauchen den Advent – damit wir nicht vergessen, worauf wir warten, und damit wir das Warten nicht verlernen.







