Gott zeltet mitten unter uns

Weihnachten erzählt von einem Gott, der nicht fern bleibt, sondern sein Zelt mitten unter uns aufschlägt.
Zwischen Angst und Hoffnung, Bitterkeit und Kostbarkeit unseres Lebens wird sichtbar:
Gott ist da – gefährlich nahe. Eine Weihnachtspredigt über Nähe, Trost und den Mut, aufzubrechen.

Weihnachten ist und bleibt das Lieblingsfest der Deutschen. Mit hohen Erwartungen. Mit manchem Frust. Mit vielen Traditionen. Gutes Essen gehört dazu, Geschenke, Familie, Freunde – und doch ist da mehr. Sonst wären wir heute Morgen nicht hier. Wir spüren: Da muss mehr sein

Aber zuerst einmal gibt es eine Enttäuschung: es ist hier nicht anders als letztes Jahr und alle Jahre zuvor. Immer dieselbe Geschichte von dem Kind, dessen Eltern keine Unterkunft fanden, das in einem Stall geboren wurde und zu dessen Geburt Weise aus dem Morgenland kamen, um zu gratulieren.
Immer dieselbe Geschichte – hier drinnen. Jahr für Jahr. Vertraut. Fast schon abgenutzt.

Draußen aber weihnachtet nichts! Von wegen „Fürchtet Euch nicht!“ Die Menschen fürchten sich.
Vor Krieg und Gewalt.
Vor Machthabern, denen man nicht mehr trauen kann.
Vor dem, was aus unserer Welt noch werden soll.
Und auch bei uns: viel Verzagtheit, viel Klagen – obwohl es vielen nicht schlecht geht.
Weihnachten 2025.

Das ist die Welt, wie sie ist – unsere Welt.
Und genau diese Welt bringen wir heute mit in diese Kirche. Da drüben steht die große Krippe mit viel Engagement und Liebe von 19 Männern und Frauen in den letzten Wochen aufgebaut wurde. Aber hier vor dem Altar steht ein Zelt. Wer hat sich das denn ausgedacht?

Wir nicht! Es war unser Pfarrpatron, der Heilige Apostel und Evangelist Johannes. Er kennt in seinem Evangelium die bilderreiche Geschichte vom Stall, den Hirten und den Königen nicht.
Er schreibt stattdessen fast schon nüchtern – wir haben es selbst gehört: Und das Wort (Gottes) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Wenn man nachschaut im griechischen Originaltext übersetzt, steht da: Und das Wort (Gottes) ist Fleisch geworden und hat unter uns gezeltet, hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen.
Dieses Wort des Johannes-Evangeliums hat uns bewogen, im Advent ein Zelt hier vorne aufbauen zu lassen, in das wir eben das Kind gelegt haben. Nicht gebettet auf Heu und auf Stroh, sondern beschützt von den Zeltplanen.

Gott im Zelt – das sprengt unsere Vorstellungen.
Eine ungeheuerliche Behauptung: der Gott Israels war nämlich nicht einer dieser griechischen Gottheiten, zu deren Vergnügungen es gehörte, gelegentlich in Menschengestalt zu erscheinen.
Der Gott des alten Israel ist der Schöpfer der Welt, der Gesetzgeber der Zehn Gebote, den man nicht anschauen darf. Deshalb sagt Johannes: „Niemand hat Gott je gesehen“ (1,18) und behauptet im gleichen Zusammenhang: er ist Mensch geworden und hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen.

Gott – nicht fern und unerreichbar,
sondern mitten unter uns.
Als einer von uns. Von den Windeln bis zum Leichentuch.

In Jesus zeltet Gott mitten unter uns.
So nah kommt Gott uns. Man möchte fast sagen „gefährlich nahe“. Der zeltende Gott – das ist keine schöne Kulisse wie so manche Krippenlandschaft, vor der sich das Leben abspielt, sondern das greift mitten hinein in unser Leben.

Vor dem Zelt hier vorne stehen drei Dinge:
Eine Schale mit Myrrhe, ein Weihrauchfass und eine Schale mit Gold. Gaben, die wir mit den drei Königen, den drei Weisen in Verbindung bringen. Sie werden hier zu Zeichen für unser Leben:

Die Myrrhe steht für das Bittere in unserem Leben. Für alle die Dinge, die ganz schön quälen und auf der Seele liegen können. Ich denke an das Leid, das wir erfahren. An Enttäuschungen und Verwundungen, die nicht heilen wollen. An Fragen und Zweifel, die uns umtreiben. An das, was im Alltag schwer auf uns lastet. Auf den ersten Blick passt das alles nicht zu dem Fest – und doch darf es jetzt hier sein. Es hat Platz vor diesem Zelt, nein in diesem Zelt –

Weihrauch war in der Antike kostbarer und teurer als Gold. Wenn er angezündet wird, verteilt er sich schnell im ganzen Raum und riecht sehr intensiv. Gerüche sind in unserer Welt sehr wichtig.
Wir sind Christi Wohlgeruch„, sagt Paulus in seinem 2.Korintherbrief – ein ungeheurer Anspruch. Er meint damit, wir Christen duften nach dem Evangelium. Er meint nicht den Duft eines Parfüms, das schnell verfliegt, sondern etwas Bleibendes, was die eigene Welt erfüllt.
In unserer Welt stinkt so vieles zum Himmel. Und genau deshalb traut Gott uns zu: Ihr könnt etwas verändern. In euren Familien. In euren Beziehungen. Am Arbeitsplatz. Durch euer Verhalten kann aus Gestank ein Wohlgeruch werden.

Als Zeichen von Reichtum und Macht schreibt Gold seit Jahrtausenden Geschichte. Gold ist kostbar und verführerisch: denn wer sich von der „Kostbarkeit“ des Materiellen blenden lässt, vergisst schnell, dass das Leben das „kostbarste“ ist, was uns Menschen geschenkt ist.
Dieses Gold sagt uns: „Du Mensch, du bist kostbar!“
In all‘ unserer Gebrechlichkeit, unserer Begrenztheit, mit allen Fehlern, Schwächen, Unzulänglichkeiten, gilt doch: unser Leben hat einen Wert, der mit keinem Gold dieser Welt aufzuwiegen ist.
Der Wert des menschlichen Lebens wird an Weihnachten ein für allemal offenbar. Seit der Menschwerdung Gottes hat das menschliche Leben einen göttlichen Wert.

Gott zeltet mitten uns -aber nicht um Camping-Urlaub zu machen, sondern um mit uns unterwegs zu sein.
Das Zelt Gottes unter uns Menschen will durch uns weit gemacht werden für die Menschen – damit sie darin eine Bleibe finden und in den Stürmen des Lebens nicht allein sind

Es tut gut, an der Krippe anzukommen – mit allem, was unser Leben ausmacht.
Aber wir können nicht bleiben.
Wir werden aufbrechen müssen: zu den Menschen –
mit einem Gott, der bei uns bleibt
und uns nicht von der Seite weicht.

Wilffried Schumacher - vor Dernau

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen Gesegnete Weihnachten,
eine ruhige Zeit zwischen den Jahren
und ein gutes Jahr 2026.
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Impulse für Herz und Kopf. Sonntag für Sonntag.
Ich freue mich, wenn du mitliest und dabei bist.

Da ist Liebe drin

Geschenke verpackt
Ylanite Koppens/Pixabay

Was macht ein Geschenk wirklich wertvoll?
Nicht das Papier. Nicht der Preis.
Sondern das, was darin steckt.
Die Adventsgeschichte von Josef und ein Wort, das bleibt:
Da ist Liebe drin.
Eine Einladung, unser Leben – mit allem, was schwer ist – unter den Segen Gottes zu stellen.

In den Tagen vor Weihnachten fallen mir immer wieder zwei Geschichten ein, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte – eine zu Beginn und eine gegen Schluss.

Die erste Geschichte spielte vor einigen Jahren in einem Altenheim. Der alte Bewohner wunderte sich: Die Schwester hatte ihm ein Weihnachtspaket gebracht, bunt verpackt, sorgfältig verschnürt.
Mit zittrigen Händen öffnete er es. Obenauf lag eine Weihnachtskarte mit den Namen seiner Kinder. Darunter fand er Nützliches: einen Schal, Handschuhe, wollene Socken, einen Regenschirm. Alles neu. Alles aus dem Geschäft, das ihm früher einmal gehört und das er ihnen vererbt hatte – er erkannte es an den Preisschildern.
Der alte Mann schaute die Dinge lange an. Dann stellte er das Paket zu den alten Zeitungen. Als die Schwester mit dem Mittagessen kam, sagte er: „Nehmen Sie es wieder mit. Da ist keine Liebe drin.“

Wie viele Geschenke erhalten wir an diesem Fest, auf die dieses Urteil zutrifft: Geschenke, die man sich macht, damit der Kreislauf stimmt –do ut des, ich gebe, damit du mir gibst?
Geschenke, mögen sie noch so kostbar verpackt sein, mögen sie noch selbst so kostbar sein, wenn keine Liebe drin ist, vermögen sie uns nicht zu erfreuen, erreichen oft das Gegenteil.

Das Evangelium spricht eine andere Sprache.
Wir lesen von Josef, dem Verlobten Marias. Es ist schon eine Zumutung, was da von ihm im Traum verlangt wird: er soll eine Beziehung aufrecht erhalten mit einer Frau, die ein Kind nicht von ihm erwartet; er soll ein Kind annehmen, das nicht sein Kind ist.
Eine Zumutung für jeden Mann – nicht nur für Josef!

Die Botschaft Gottes an Josef ist kurz und klar: Josef, da ist Liebe drin.
„Das Kind ist vom Heiligen Geist“ – das heißt: Gott selbst ist hier am Werk.
Und die Namen sagen es noch einmal: Jesus – Gott rettet. Immanuel – Gott ist mit uns.

Als Josef erwacht, tut er, was ihm gesagt wurde. Er nimmt Maria zu sich. Er gibt dem Kind den Namen Jesus. Und stellt es damit unter Gottes Verheißung.

Weshalb wird uns diese Geschichte erzählt? Weil wir selbst wie Josef sind.
Auch uns fällt es schwer, dieses Kind anzunehmen-
Oft bleibt es nur die religiöse Verzierung auf unserer Lebenstorte,
ein Lückenbüßer –
und wir leben unser Leben, als ginge es dieses Kind nichts an.
Wer weiß, was daraus wird, wenn ich zu ihm Ja sage? Mit meiner ganzen Existenz, so wie Maria es uns vorgemacht hat.

Und: Kann ich es überhaupt annehmen in all‘ den Zumutungen meines Lebens:
angesichts von Krankheit und Tod,
angesichts von Verlust, Entfremdung, Scheidung,
angesichts all dessen, was unser Leben aus der Bahn wirft.
Wäre es nicht besser, sich heimlich von ihm zu trennen, anstatt sich mit der Frage „Warum“ und Warum ich?“ zu quälen?

Doch die Botschaft an Josef bleibt: In diesem Kind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, ist Liebe drin: Die Liebe Gottes zu den Menschen, mehr noch: die Liebe Gottes zu mir, zu jedem /jeder Einzelnen von uns.

Wie Josef lädt Gott auch uns ein, das Kind anzunehmen, und damit unser Leben anzunehmen. Und besonders das, was unser Leben so schwer macht, nicht in den Fluch zu stellen, sondern in seinen Segen.

Ich wünsche Ihnen, daß Sie in diesen Tagen viele Geschenke machen und bekommen, in denen Liebe drin ist -damit sie so fähig und ermuntert werden, wie Josef dieses Kind anzunehmen, in dem die Liebe ist.

Jetzt hätte ich fast die zweite Geschichte vergessen. Sie zeigt mir noch einmal, was es heißen kann, diesem Kind wenigstens nahe zu sein.
Kurz vor Weihnachten hatte ich ein Gespräch mit einem Mann, den seine Frau mit seinen Kindern verlassen hat, der seitdem grübelt, sich plagt und fragt, wozu, warum, was hat mein Leben noch für einen Sinn.

Wo„, so fragte ich ihn, “ finden Sie sich wieder in der Weihnachtsgeschichte“. Ich bin einer der Hirten, so sagte er mir. Ein zerlumpter Hirt, der sich nicht traut, in den Stall hineinzugehen, weil er alles Heilige darin nur stören würde. Ich stehe draußen am Fenster und drücke mir die Nase platt, nur um dieses Kind zu sehen. Und das tut mir gut!

Diese Frage gebe ich Ihnen auch mit in diese letzten Tage vor Weihnachten. Wo finden Sie sich wieder in der Weihnachtsgeschichte? Übrigens zur Krippe kann man auch kommen mit Krücken und mit dem Rollator. Im Stall von Bethlehem ist jeder willkommen.

Wo also finden Sie sich in der Weihnachtsgeschichte wieder? Vielleicht nicht mitten im Stall – aber irgendwo in seiner Nähe. Und das genügt für den Anfang.

Predigt am 4.Advent 2025 Klinik Jülich Bad-Neuenahr

Kostbar

Krippenbild leeres Zelt mit König und Gold

Gold steht für Reichtum und Macht.
Doch im Advent stellt sich eine andere Frage:
Wer oder was ist in meinem Leben wirklich kostbar – und wem zeige ich das?

Vielleicht erinnern Sie sich an unsere Adventbilder der letzten Sonntage:
an die Myrrhe – das Bittere unseres Lebens, das wir nicht verdrängen sollten.
Und an den Weihrauch – den Duft, den unser Reden und Tun in dieser Welt verbreitet.

Heute, am vierten Advent, steht vor dem König eine Schale mit Gold.
Nach dem Bitteren und nach dem, was wir ausstrahlen, geht es heute um das Kostbare.
Um das, was wirklich zählt. Um den Wert unseres Lebens.

Als Zeichen von Reichtum und Macht schreibt Gold seit Jahrtausenden Geschichte. Bis heute hat Gold nichts von seiner unvergleichlichen Magie für den Menschen verloren. Gold bleibt immer Gold. Weder rostet es, noch oxidiert es. Wer einen Goldklumpen findet, der tausend Jahre im Dreck gelegen hat, braucht ihn nur abzuwischen und er glänzt wie am ersten Tag. Gold bewahrt seine Farbe, seinen Glanz und seine Beschaffenheit – bis in alle Ewigkeit.

Die Hälfte allen Goldes auf der Welt ist inzwischen zu Schmuck verarbeitet, aber Gold ist nicht nur wegen seiner Schönheit begehrt, sondern auch wegen seiner Seltenheit. Auch heute noch ist es kostbar: Für 31 Gramm bekommt man derzeit mehrere tausend Euro.
Gold bedeutet Reichtum und symbolisierte früher auch Macht. Gold war das Metall der Könige.

Gold – kostbar und verführerisch. Und genau darin liegt seine Gefahr: Wer sich von der Kostbarkeit des Materiellen blenden lässt, vergisst schnell, dass das Leben das „kostbarste“ ist, was uns Menschen geschenkt ist.
Unser Leben hat einen Wert, der mit keinem Gold dieser Welt aufzuwiegen ist. Wer diesen Wert für sich selbst nie erfahren hat, ist in Gefahr, das Leben der anderen für die Kostbarkeiten dieser Welt zu opfern.

Mein Leben ist wertvoll – auch wenn mir meine Umgebung eine andere Botschaft vermittelt. Ich bin wertvoll, wenn für keinen Menschen, dann auf jeden Fall für Gott.

Das Gold des Königs aus dem Morgenland ist ein Zeichen für das Kostbare in unserem Leben.

„Weihnachten kehren die Stunden des Jahres heim“. Heute fragt mich der König nach dem Kostbaren in meinem Leben. Wer ist mir kostbar in diesem Jahr gewesen? Was war mir kostbar? Und wie habe ich es gezeigt?

Dufte Typen

Weihrauch ist mehr als ein Duft im Gottesdienst.
Er erinnert daran, welche Spuren unser Reden und Tun hinterlassen.
Eine adventliche Frage: Wonach „riecht“ unser Leben?

Auch am 3.Advent: ein Zelt vor dem Altar und ein König aus der Krippe.

Der König steht für uns: Menschen, die unterwegs sind, oft ohne das Ziel genau zu kennen. Und das Zelt erinnert an die alte biblische Erfahrung: Gott geht mit. Er wohnt nicht fern, sondern mitten unter seinem Volk – unterwegs, im Provisorium, auf dem Weg.

Vor dem König lag letzten Sonntag eine Schale mit Myrrhe – ein Zeichen für das Bittere und Schwere, das jeder von uns mitbringt. Unser Adventbild hat uns eingeladen, das nicht zu verdrängen, sondern ehrlich anzuschauen.

Heute jedoch liegt etwas völlig anderes vor dem König: kein bitteres Harz, sondern einer der kostbarsten Düfte der Antike – Weihrauch. Symbolisiert durch das Weihrauchfass.
Weihrauch war in der Antike kostbarer und teurer als Gold. Es ist Harz, das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnen wird.

Wurden Opfertiere verbrannt, sollte der Duft des Weihrauchs die Gottheit gnädig stimmen. Gleichzeitig trug der Rauch die Bitten der Menschen empor. In den Straßen der Antike zog ein Weihrauchträger vor Würdenträgern her und verbreitete Wohlgeruch. Kleidung wurde nicht selten mit Weihrauch parfümiert und er wurde wie Kaugummi gekaut – für guten Atem.

Hin und wieder erleben wir es im Gottesdienst: wenn Weihrauch angezündet wird, verteilt er sich schnell im ganzen Raum und riecht sehr intensiv.
Gerüche sind in unserer Welt sehr wichtig. Unser Verhalten machen wir oft von den Gerüchen abhängig. Wir kaufen, was gut riecht, wir machen einen Bogen um etwas, das stinkt.
Wenn man jemanden nicht mag, sagt man: „Ich kann ihn nicht riechen“ oder eine Sache, die mich ziemlich ärgert, „stinkt mir“.
Wir sind Christi Wohlgeruch„, sagt Paulus in seinem 2.Korintherbrief – ein ungeheurer Anspruch. Wohlgeruch meint nicht den Duft eines Parfüms, das schnell verfliegt, sondern etwas Bleibendes, was die eigene Welt erfüllt.

So erzählt der Weihrauch hier heute von uns: in unserer Welt stinkt soviel zum Himmel. Wir selbst können etwas daran ändern, in der Welt, in der wir leben, in unseren Familien, unseren Beziehungen, am Arbeitsplatz. Durch unser Verhalten können wir aus manchem Gestank einen Wohlgeruch machen. Unsere Welt braucht Christi Wohlgeruch, braucht Christen, in deren Nähe sich die Menschen wohlfühlen.

Weihnachten kehren die Stunden des Jahres heim“, haben wir am vergangenen Sonntag gesagt und uns an das Bittere der Jahres erinnert. Heute geht es um unser Reden und Tun in diesem Jahr. War es geprägt vom Duft der Wahrheit, des Lebens, der Liebe? Haben wir geduftet nach dem Evangelium?

Waren wir in diesem Sinn dufte Typen? fragt uns der König heute.

Foto: Friedbert Simon/Pfarrbriefservice

Komfort des Trostes

Was wäre, wenn Trost kein billiger Ersatz wäre, sondern ein kostbarer Komfort?
„Comfort ye“ – so beginnt Händels Messias. Ein Klang, der nicht erklärt, sondern trägt.
Ein Adventsgedanke über einen Gott, der bleibt – und den Trost zur Lebensmelodie macht..

Wer es lieber klassischer instrumentiert hören möchte: HIER ist der Link!

Hotels bieten Komfortzimmer, Autos werben mit Fahrkomfort, Möbel gibt es mit Sitzkomfort und selbst der Kabelanschluss wird mit Komfort HD angeboten. Komfort, das bedeutet Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, gutes Gefühl. Komfort muss man sich allerdings auch leisten können.

Comfort ye“  so beginnt Händels Messias.  Dieser Eingangschor greift einen Text des Propheten Jesaja auf. „Comfort ye“ heißt übersetzt: „Tröste dich“ – oder noch persönlicher: „Lass dich trösten.“ Man könnte auch das Sprachspiel wagen: Leiste Dir den Komfort des Trostes!

Trost – was ist das überhaupt:  Trost bedeutet zuerst einmal: da nimmt mich jemand ernst, meinen Kummer, meinen Schmerz, meine Tränen berühren ihn, weil ihm etwas an mir liegt.
Da hört mir jemand zu, da nimmt mich jemand in den Arm, da teilt jemand meinen Schmerz, da sagt mir jemand ein gutes Wort.

Es gibt so viele Trostlosigkeiten im Leben: nicht nur der Verlust eines Menschen, nicht nur der Bruch einer Beziehung, nicht nur ein großer Schmerz. Es gibt den Schmerz der Kinder, die Enttäuschung des Freundes, das Mobbing am Arbeitsplatz, das Gefühl, zu versagen in der Schule, im Studium, im Beruf. Manche Leiden sind laut, andere legen sich still wie Mehltau über das Leben: Niedergeschlagenheit, Depressionen, eine bleierne Traurigkeit.

Es gibt so viele Trostlosigkeit im Leben, da ist Trost gefragt. Und wir wissen: wichtiger als eine besondere Tat oder ein kluger Rat ist die Gegenwart eines besorgten Menschen. Wenn jemand uns in einer solchen Situation sagt: „Ich weiß nicht, was ich sagen oder tun soll, aber du darfst wissen, ich bin bei dir und lasse dich nicht im Stich“, dann haben wir einen Menschen gefunden, durch den wir Trost erfahren.

Die heutige Lesung macht deutlich: Gott kennt die Trostlosigkeit des Menschen. Er weiß, dass wir Trost brauchen.
Jesus selbst nennt den Heiligen Geist den „Tröster“ (Joh 14,16). Paulus spricht vom „Gott der Geduld und des Trostes“ (Röm 15,5).
Und schon im Alten Testament hören wir diese Stimme: Als das Volk Israel siebzig Jahre im babylonischen Exil lebte, wurde ein Prophet gesandt mit der Botschaft: „Tröstet, tröstet mein Volk“, spricht euer Gott. Trostvolle, fast schon zärtliche Worte!

Was ist das für ein Gott, der so zu den Menschen spricht?
Er selbst gibt die Antwort: Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.

Das ist die Frohbotschaft, die wir an Weihnachten feiern: Gott ist nicht der Ferne geblieben, er hat sich in Jesus darauf eingelassen, solidarisch mit uns zu leben, unsere Freude und Leiden, die Last des Lebens mit uns zu teilen.

Ja, er ist der Trost der ganzen Welt, nicht der Gott der schnellen Antwort und Lösung.
Trost, das wissen wir alle, bedeutet auszuharren, zuzuhören, mit dem anderen die Schwäche und Ohnmacht zu teilen.
Je mehr ich darüber nachdenke, je mehr wird mir bewusst, was es bedeutet, wenn dieser menschgewordene Gott den Namen „Immanuel“ trägt, „Gott ist mit uns“. Gott harrt bei mir aus in allen Trostlosigkeiten meines Lebens.

Auch wir sind eingeladen, uns den Komfort des Trostes zu leisten. Schaut man im Lexikon nach, dann wird das englische Comfort übersetzt mit: trösten, ermutigen, beruhigen, erfreuen, laben, ermuntern.

Das könnte schon fast ein Programm sein für den Advent sein. Ausschau zu halten nach denen, die den Trost nötig haben. Sie trösten, ermutigen, beruhigen, erfreuen, laben, ermuntern.
So werden wir Wegbereiter der Erlösung
und Hoffnungsbotinnen und -boten. So können wir Gebeugten neuen Lebensmut
und neue Hoffnung zu schenken.

Leisten wir uns den Komfort, den Trost Gottes anzunehmen – und einander zu trösten.
Dann wird das „comfort ye“ vielleicht tatsächlich zur tragenden Lebensmelodie unseres Lebens.

ADVENT in DERNAU – Rorate-Messe

Myrrhe im Advent – dem Bitteren einen Raum geben

Ein leeres Zelt, ein König aus der Krippe – und eine Schale mit Myrrhe.
Unser Adventbild lädt ein, auch dem Schweren und Bitteren Raum zu geben.
Warum das kein Widerspruch zum Advent ist.

Was ist das denn hier vor dem Altar: ein Zelt? Davor ein König aus der Krippe? Und was liegt da in der Schale vor ihm?

Ja, Sie sehen richtig: ein König aus der Krippe. Und er ist nicht zu früh dran. Er steht symbolisch für uns, die wir – wie er – unterwegs sind. Auch er ist aufgebrochen, ohne das Ziel zu kennen. In diesem Advent will er uns begleiten, zusammen mit seinen beiden Weggefährten.

Und das Zelt? Das führt uns weit zurück. In einer der ältesten Erzählungen der Bibel wohnt Gott selbst in einem Zelt. Als das Volk Israel, befreit aus der Sklaverei Ägyptens, durch die Wüste zieht, wohnt es in Zelten – und Gott wohnt mitten unter ihnen: außerhalb des Lagers in einem eigenen Zelt. Darin werden die Tafeln der Zehn Gebote aufbewahrt. Zeichen seiner Gegenwart. Das Volk Israel nimmt Gott mit auf seinem Weg, trägt Gott quasi mit sich im Gepäck.
Sie ahnen vielleicht wohin das führt, wenn Sie an Weihnachten denken. Aber noch sind wir im Advent!

Vor dem König liegt in einer Schale etwas Harz – eines der drei Gaben der Weisen. Auf den ersten Blick kein Geschenk, das eine junge Familie dringend braucht. Also muss es mehr bedeuten.

Das Harz ist wohlriechend, aber es schmeckt bitter. Es ist Myrrhe. Ein Luxusgut damals.
Es desinfiziert und hilft Blutungen zu stillen und Narben zu bilden. Man verwendet es zur Einbalsamierung der Toten. Der Wein, der Jesus am Kreuz gereicht wurde, war wohl auch mit Myrrhe angereichert als Betäubungsmittel
Myrrhe – das ist kein weihnachtliches Symbol. Es passt eher zum Karfreitag. Und doch gehört es zu diesem Advent.
Denn dieser König bringt das Bittere unseres Lebens mit. Die Myrrhe steht für all das, was uns zusetzt: Belastungen, die auf der Seele liegen wie ein Stein. Verletzungen, die nicht heilen wollen. Erfahrungen, die uns wehgetan oder müde gemacht haben.

Damit wird klar: Unsere Installation ist keine adventliche Dekoration.

Weihnachten kehren die Stunden des Jahres heim“ – So fragt mich der König mit seinem Geschenk: was bringst Du Bitteres mit aus diesem Jahr? Welches Leid hast Du erfahren? Welche Enttäuschungen und Verwundungen begleiten Dich, die nicht so schnell heilen wollen? Was hast Du Tödliches erfahren? Was hat dir den Atem genommen, was war zu schwer?
Das sind keine leichten Fragen. Oft verstecken wir ja das Bittere, das Unangenehme  – so als dürfe es keinen Platz haben.

Aber auch die schweren Stunden kehren an Weihnachten heim. Und im Advent darf ich sie noch einmal anschauen, ohne Angst, ohne Beschönigung. Genau dazu will uns dieses Adventbild hier vorne einladen und ermutigen.
Der König geht mit uns – gerade mit dem, was bitter ist.

2.Advent in Dernau