Ein festlich gedeckter Tisch. Alles ist bereit. Aber die eingeladenen Gäste kommen nicht. Jesus erzählt von einem König, der sich davon nicht entmutigen lässt. Er lädt andere ein – Menschen, die niemals mit einer solchen Einladung gerechnet hätten.
Vielleicht begegnet auch uns Gottes Einladung ganz unverhofft. Mitten im Alltag. An der nächsten Straßenecke.

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Das ist schon eine riesige Blamage: Eine Hochzeit wird gefeiert und die Gäste kommen nicht! Zweimal wurden sie eingeladen: zuerst die Ankündigung und dann die Botschaft: das Mahl ist fertig! Kein kleiner Imbiss. Ochsen und Mastvieh sind geschlachtet. Alles ist bereit.
Ich könnte jetzt viel erzählen über die geschichtlichen Hintergründe, vor denen dieser Text geschrieben wurde. Ich könnte berichten, wie zu unterschiedlichen Zeiten dieser Text gedeutet wurde.
Mich aber interessiert viel mehr, wie wir den Text heute lesen können – dabei müssen wir immer die Einleitung mit bedenken: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Hier geht es also um mehr als um eine vermasselte Familienfeier.
Drei Gedanken dazu
Ein König lädt ein, zuerst mit einer Ankündigung. Wir würden heute sagen mit einem: „Save the Date“, und dann mit der konkreten Einladung „Kommt, alles ist bereit.“
Eine Einladung kann man ablehnen; aber es gehört zur Höflichkeit, es zu begründen. Wir hören: die einen gehen ihren Geschäften nach, die andere ihren beruflichen Verpflichtungen. Eigentlich müssten sie sagen: meine Interesse wiegen schwerer als deine, deshalb beantworte ich die Einladung mit nein.
Hinzu kommt: Hinter dem König erkenne ich Gott.
Vielleicht erkennen Sie sich an dieser Stelle wieder in dieser Geschichte. Ich jedenfalls kenne es von mir:
Manchmal spüre ich, dass mir ein wenig Stille, ein Gebet guttun würde. Aber dann gibt es plötzlich wieder etwas Dringenderes.
Manchmal merke ich, dass ein Mensch meine Zeit braucht. Aber ich habe gerade so viel anderes vor.
Nicht irgendjemand, ich selbst schlage die Einladung aus.
Der König überrascht mich: er gibt nicht frustriert auf, sondern das Fest soll stattfinden: er lädt die Leute von der Straße ein, damit sein Haus voll werde. Und das Haus wurde voll: Gäste all über all! Das Fest findet statt, das Gastmahl wird Ereignis.
Es findet statt, weil die, die kommen, sich die Freiheit nehmen, Gäste zu sein. Sie haben nichts zu besorgen und insofern nichts zu versäumen. Darum kommen sie. Vor diesem Hintergrund bleibt die Weigerung der Erstgeladenen eine Episode.Auch hier erkenne ich mich wieder: ich will mich nicht verlieren an das Alltägliche, an das, was zu besorgen, was zu tun oder was dringlich ist. Ich möchte frei sein, ein Fest zu feiern. Ich bin eingeladen und darf mich an einen gedeckten Tisch setzen.
Und schließlich fasziniert mich noch ein Detail: die Einladung kommt unverhofft, sozusagen an der nächsten Straßenecke. Wer von den Armen, von denen unser Gleichnis erzählt, hätte am Morgen schon gedacht, dass er im Laufe des Tages zu einem solchen Mahl eingeladen wird.
Dabei schenkt mir ein Wort des Apostels Paulus noch eine andere Perspektive. Er schreibt im Römerbrief: das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. ( Römer 14,17).
Wer Gottes Einladung annimmt, bleibt nicht derselbe. Wer sich von Gott beschenken lässt, kann selbst zum Geschenk für andere werden.
Denn das Reich Gottes, von dem Jesus spricht, bleibt nicht auf das Festmahl beschränkt. Es will mitten unter uns Wirklichkeit werden. Dort, wo Menschen Gerechtigkeit erfahren, wo Frieden gestiftet wird und Freude wächst.“
Die Einladung ins Reich Gottes einzutreten wird mir an jeder Straßenecke unseres Dorfes und an allen Orten überbracht.
Vielleicht begegnet mir diese Einladung, wenn ich jemanden treffe, der einfach nur erzählen möchte. Und ich habe eigentlich keine Zeit.
Vielleicht begegnet sie mir, wenn jemand ein gutes Wort braucht.
Vielleicht auch dann, wenn ich merke: Jetzt wäre es gut, einmal still zu werden. Nicht noch etwas zu erledigen, sondern einfach da zu sein.
Für mich geht es in dieser Geschichte auch um unser Christsein mitten im Alltag. Wer weiß, vielleicht wartet die nächste Einladung dazu schon an der nächsten Straßenecke.





