Was macht ein Geschenk wirklich wertvoll?
Nicht das Papier. Nicht der Preis.
Sondern das, was darin steckt.
Die Adventsgeschichte von Josef und ein Wort, das bleibt:
Da ist Liebe drin.
Eine Einladung, unser Leben – mit allem, was schwer ist – unter den Segen Gottes zu stellen.
In den Tagen vor Weihnachten fallen mir immer wieder zwei Geschichten ein, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte – eine zu Beginn und eine gegen Schluss.
Die erste Geschichte spielte vor einigen Jahren in einem Altenheim. Der alte Bewohner wunderte sich: Die Schwester hatte ihm ein Weihnachtspaket gebracht, bunt verpackt, sorgfältig verschnürt.
Mit zittrigen Händen öffnete er es. Obenauf lag eine Weihnachtskarte mit den Namen seiner Kinder. Darunter fand er Nützliches: einen Schal, Handschuhe, wollene Socken, einen Regenschirm. Alles neu. Alles aus dem Geschäft, das ihm früher einmal gehört und das er ihnen vererbt hatte – er erkannte es an den Preisschildern.
Der alte Mann schaute die Dinge lange an. Dann stellte er das Paket zu den alten Zeitungen. Als die Schwester mit dem Mittagessen kam, sagte er: „Nehmen Sie es wieder mit. Da ist keine Liebe drin.“
Wie viele Geschenke erhalten wir an diesem Fest, auf die dieses Urteil zutrifft: Geschenke, die man sich macht, damit der Kreislauf stimmt –do ut des, ich gebe, damit du mir gibst?
Geschenke, mögen sie noch so kostbar verpackt sein, mögen sie noch selbst so kostbar sein, wenn keine Liebe drin ist, vermögen sie uns nicht zu erfreuen, erreichen oft das Gegenteil.
Das Evangelium spricht eine andere Sprache.
Wir lesen von Josef, dem Verlobten Marias. Es ist schon eine Zumutung, was da von ihm im Traum verlangt wird: er soll eine Beziehung aufrecht erhalten mit einer Frau, die ein Kind nicht von ihm erwartet; er soll ein Kind annehmen, das nicht sein Kind ist.
Eine Zumutung für jeden Mann – nicht nur für Josef!
Die Botschaft Gottes an Josef ist kurz und klar: Josef, da ist Liebe drin.
„Das Kind ist vom Heiligen Geist“ – das heißt: Gott selbst ist hier am Werk.
Und die Namen sagen es noch einmal: Jesus – Gott rettet. Immanuel – Gott ist mit uns.
Als Josef erwacht, tut er, was ihm gesagt wurde. Er nimmt Maria zu sich. Er gibt dem Kind den Namen Jesus. Und stellt es damit unter Gottes Verheißung.
Weshalb wird uns diese Geschichte erzählt? Weil wir selbst wie Josef sind.
Auch uns fällt es schwer, dieses Kind anzunehmen-
Oft bleibt es nur die religiöse Verzierung auf unserer Lebenstorte,
ein Lückenbüßer –
und wir leben unser Leben, als ginge es dieses Kind nichts an.
Wer weiß, was daraus wird, wenn ich zu ihm Ja sage? Mit meiner ganzen Existenz, so wie Maria es uns vorgemacht hat.
Und: Kann ich es überhaupt annehmen in all‘ den Zumutungen meines Lebens:
angesichts von Krankheit und Tod,
angesichts von Verlust, Entfremdung, Scheidung,
angesichts all dessen, was unser Leben aus der Bahn wirft.
Wäre es nicht besser, sich heimlich von ihm zu trennen, anstatt sich mit der Frage „Warum“ und Warum ich?“ zu quälen?
Doch die Botschaft an Josef bleibt: In diesem Kind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, ist Liebe drin: Die Liebe Gottes zu den Menschen, mehr noch: die Liebe Gottes zu mir, zu jedem /jeder Einzelnen von uns.
Wie Josef lädt Gott auch uns ein, das Kind anzunehmen, und damit unser Leben anzunehmen. Und besonders das, was unser Leben so schwer macht, nicht in den Fluch zu stellen, sondern in seinen Segen.
Ich wünsche Ihnen, daß Sie in diesen Tagen viele Geschenke machen und bekommen, in denen Liebe drin ist -damit sie so fähig und ermuntert werden, wie Josef dieses Kind anzunehmen, in dem die Liebe ist.
Jetzt hätte ich fast die zweite Geschichte vergessen. Sie zeigt mir noch einmal, was es heißen kann, diesem Kind wenigstens nahe zu sein.
Kurz vor Weihnachten hatte ich ein Gespräch mit einem Mann, den seine Frau mit seinen Kindern verlassen hat, der seitdem grübelt, sich plagt und fragt, wozu, warum, was hat mein Leben noch für einen Sinn.
„Wo„, so fragte ich ihn, “ finden Sie sich wieder in der Weihnachtsgeschichte“. Ich bin einer der Hirten, so sagte er mir. Ein zerlumpter Hirt, der sich nicht traut, in den Stall hineinzugehen, weil er alles Heilige darin nur stören würde. Ich stehe draußen am Fenster und drücke mir die Nase platt, nur um dieses Kind zu sehen. Und das tut mir gut!
Diese Frage gebe ich Ihnen auch mit in diese letzten Tage vor Weihnachten. Wo finden Sie sich wieder in der Weihnachtsgeschichte? Übrigens zur Krippe kann man auch kommen mit Krücken und mit dem Rollator. Im Stall von Bethlehem ist jeder willkommen.
Wo also finden Sie sich in der Weihnachtsgeschichte wieder? Vielleicht nicht mitten im Stall – aber irgendwo in seiner Nähe. Und das genügt für den Anfang.
Predigt am 4.Advent 2025 Klinik Jülich Bad-Neuenahr

