
Der Sommer zeigt, was wachsen konnte. Goldene Felder erinnern daran, dass jeder Ernte eine Zeit des Säens vorausgeht – mit Hoffnungen, aber auch mit Verlusten. Das Gleichnis vom Sämann erzählt deshalb nicht vom Scheitern, sondern von der Zuversicht, dass Gott wachsen lässt, was Menschen oft schon verloren geben.
Wenn man in diesen Tagen aus dem Tal hinauf auf die Grafschaft fährt, sieht man überall Felder voller reifer Frucht.– so wie in diesem Ausschnitt aus dem Matthäus-Evangeliums..
Doch im Mittelpunkt steht hier die Arbeit des Sämanns. Vielleicht etwas befremdlich: weshalb sät ein Sämann auf den Weg, oder in die Dornen, oder dort wo fester Boden ist? Damals wurde in Palästina vor dem Pflügen gesät.
Deshalb wirft der Sämann den Samen überall aus. Auch auf den Trampelpfad, der später untergepflügt wird. Auch zwischen die verdorrten Dornen. Und manche Körner fallen zwangsläufig auf felsigen Boden.
Vieles geht verloren: Die Vögel fressen einen Teil der Saat. Anderes verdorrt oder wird erstickt.
Das klingt wie ein Drama der Erfolglosigkeit.
Das wäre so – gäbe es da nicht die vierte Situation. Hier fällt die Saat auf guten Boden. Sie keimt, wächst und bringt reiche Frucht. Dem dreifachen Verlust steht ein dreifacher Gewinn gegenüber: dreißig-, sechzig- und hundertfacher Ertrag – weit mehr, als man erwarten konnte.
Unser Gleichnis will nicht den Misserfolg, sondern im Gegenteil den Erfolg herausstellen:
Obwohl manche Samenkörner verlorengehen, ist zur Zeit der Ernte das ganze Feld mit reifer Frucht bestellt.
Jesus geht es aber nicht um Prozesse in der Landwirtschaft: Er spricht vom Reich Gottes, der Gottesherrschaft. Sie lässt sich nicht aufhalten: sie kommt so, wie auf die Saat die Ernte folgt. Gott führt sein begonnenes Werk zu seiner Vollendung allen Widrigkeiten zum Trotz.
Das erinnert an den Psalm 126, in dem es heisst „Mit Jubel ernten, die mit Tränen säen“. Die Sicherheit der Ernte wird zum Trost.
Das kann ein Trostwort für jeden Einzelnen, jede Einzelne sein.
Der Blick auf unser Leben zeigt uns: es gibt viele Misserfolge oder um es im Bild des Gleichnisses zu sagen: Miss-Ernten.
- Sei es, dass der berufliche Weg einen Knick erleidet,
- sei es dass die Beziehung keine Frucht bringt und brach liegt,
- sei es dass Träume nicht aufgehen und sich erfüllen –
- sei es dass eine Katastrophe über uns hereinbricht und alles zerstört, was wir gesät haben.
Für Jesus sind all diese Situationen kein Anlass, aufzugeben und nicht mehr verschwenderisch auszustreuen, wie der Sämann.
Ein Leben, das sich gründet auf das Reich Gottes,
ein Leben, das auf Gott vertraut,
ein Leben, das im Himmel sein Ziel hat,
wird nicht erfolglos bleiben, es wird Frucht bringen – vielleicht auf andere Weise und an anderer Stelle als wir es angenommen haben.
Der Sämann rechnet nicht mit dem Verlust, sondern mit der Ernte.
Wer heute durch unser Dorf geht, sieht, was alles wieder gewachsen ist.
Häuser wurden aufgebaut,
Menschen haben neu begonnen.
Das ist nicht selbstverständlich.
Dahinter stehen viele, die gesät haben, obwohl sie den Erfolg noch gar nicht sehen konnten.
Sie haben darauf vertraut, dass wieder etwas wachsen wird.
Genau davon spricht Jesus heute.
Wer auf Gott vertraut, sät nie vergeblich.
Vielleicht geht manches verloren. Aber Gott lässt Frucht wachsen. Das ist die Hoffnung, die der Herr uns heute mitgibt.
