Die Frau bringt Jesus in die Weite

Diesen Jesus kennen wir nicht: Er schweigt, verweigert sich und erklärt sich für nicht zuständig. Doch eine fremde Frau lässt sich nicht abweisen. Sie hält an ihrem Vertrauen fest – und bringt Jesus in die Weite. Eine Begegnung, die auch uns fragen lässt, wo Gott die Grenzen unseres Denkens aufbrechen und uns in die Weite führen will.

Sonnenuntergang mit bunten Wolken am Himmel, sanfte Farben, silhouettierte Landschaft.
Bild: Peter Weidemann in: Pfarrbriefservice.de

Seltsam, diesen Jesu kennen wir nicht. Dieses Verhalten trauen wir ihm nicht zu. Haben wir nicht gelernt und immer wieder gehört, dass Jesus bedingungslos gibt und heilt, dass er für jeden, der ihm über den Weg läuft, jederzeit da ist. Hier aber sehen wir, wie er an seine Grenzen stößt. Jesus verweigert sich.

Jesus hat sich in das heidnische Grenzgebiet zurückgezogen.
Eine kananäische Frau, eine Heidin wird ihm lästig. Sie schreit hinter Jesus her. Sie nennt ihn Kyrios, Herr, Sohn Davids, d.h. Träger der Verheißung.

Jesus überhört sie, die Jünger wollen sie loswerden und Jesus erklärt ihnen, dass die Frau nicht in sein Konzept passt. Sie entspricht nicht der Vorstellung, die er sich von seiner Aufgabe gemacht hat: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Die Frau gehört nicht zum Volk Israel. Für sie sieht Jesus sich nicht gesandt – nach dem Motto:  „Ich bin nicht zuständig.“ Soviel Enge hätten wir Jesus nicht zugetraut.“

Hartnäckig zwingt die Frau ihn in ein Gespräch. Die Ablehnung Jesu steigert sich noch einmal. Das Brot auf dem Tisch ist für die Kinder da und nicht für die Hunde, sprich: für die Heiden. Wer jetzt nicht erschrocken ist über den Mann aus Nazareth, der ist fromm abgestumpft.
Die Reaktion der Frau ist stark: sie dreht das Bild um. Wenn es schon einen Tisch gibt, dann fällt doch etwas davon herunter. Wenn Gottes Güte wirklich so groß ist – dann muss doch auch für mich etwas davon übrig sein.

Die Frau bringt Jesus weiter.
Ihr unerschütterliches Vertrauen entwaffnet ihn. Die Grenzen, die eben noch galten, verlieren ihre Bedeutung. Jesus erfährt seine Sendung weiter als bisher, ihm wird bewusst: Gottes Heil gilt allen Menschen.
In der konkreten Situation erkennt Jesus, was Gott von ihm will.

Der Hebräerbrief wagt später einen erstaunlichen Satz über Jesus: „Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt.“
Jesus wird uns als einer gezeigt, der seinen Weg im Hören auf den Vater findet.

Vielleicht begegnet Gott uns gerade in dem Menschen, der uns lästig ist;
der uns nicht ins Konzept passt,
in jemandem, für den wir uns zunächst „nicht zuständig“ fühlen.

Da heißt es, offen zu sein und zu fragen: was will mir Gott in dieses Situation sagen, auf welchen Weg schickt er mich?

Das kann ungemütlich werden. Weil die Antwort uns nicht in den Kram passt. Weil plötzlich etwas ins Wanken kommt, von dem ich dachte: So ist es eben.
Aber vielleicht beginnt genau da ein neuer Weg, dessen Ziel weiterhin ist: den Willen des Vaters tun.

Auf jeden Fall bleibt das Leben dadurch spannend, weil wir nicht fertig sind mit uns selbst, mit den Menschen, mit der Welt, mit Gott.

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