Der Tisch des Wortes ist reich gedeckt!

Das II. Vatikanische Konzil hat den Katholiken die Bibel zurück gegeben.“, stellte Carlo Kardinal Martini in seinem letzten Interview fest. In der Tat: die Liturgiekonstitution des Konzils hat den Wert des Wortgottesdienst wieder entdeckt. Einmal als ersten Teil der Eucharistiefeier und zweitens als eigenständige Gottesdienstform.

In diesen Corona-Wochen, in denen das Volk Gottes auf die Feier der Eucharistie verzichten musste,  erhielt der Wortgottesdienst für viele eine neue Bedeutung. Da immer noch viele der Eucharistie fernbleiben, weil sie entweder zur sogenannten Risiko-Gruppe gehören bzw. weil sie sich in den Messen unter Corona-Bedingungen nicht wohlfühlen, bleibt der Wortgottesdienst wohl noch auf längere Zeit eine willkommene Alternative – ohne dass dadurch die Feier der Messe als  „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (LG 11)in Abrede gestellt wird.

Rainer Sturm/pixelio.de

Beim hl. Hieronymus lesen wir: „Wir lesen die Heiligen Schriften. Ich denke, dass das Evangelium der Leib Christi ist; ich denke, dass die Heiligen Schriften seine Lehre sind“ und Papst Benedikt XVI. folgert konsequent „Christus, der unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist, ist in analoger Weise auch in dem Wort gegenwärtig, das in der Liturgie verkündigt wird.“ (DV 56) Der „Sakramentalität des Wortes“ (DV 56) entspricht das Bild des II.Vatikanischen Konzils, das vom „Tisch des Gotteswortes“ spricht (SC 51).

In der Schrift lesen und sie betrachten – das kann ich alleine. Soll es aber ein Gottesdienst sein, braucht es eine Gemeinschaft, eine Community – wie es neudeutsch heißt, braucht es „zwei oder drei, die in Jesu Namen versammelt sind“. In Corona-Zeiten am ehesten digital, damit der Abstand gewahrt wird und man trotzdem beieinander ist.
Aber diese Wochen haben nicht nur solche „neuen“ Gemeinschaften gefördert, die sich digital gefunden haben, sondern auch noch etwas anderes zu Tage gebracht: Es bedarf für die Auslegung des Wortes Gottes nicht des Priesters, sondern das Volk Gottes ist durch Taufe und Firmung befähigt, die gemeinsame Kost vom Tisch des Wortes sich gegenseitig zum Geschenk werden zu lassen.

Ich bin jeden Sonntag reich beschenkt und immer wieder überrascht, wie die Teilnehmer*innen unseres Zoom-Gottesdienstes bei „lukas19“ die Schriftstelle hören und sich gegenseitig erschließen. Da ist der Theologe einer unter vielen, der oft staunend zuhört, wie andere das Wort Gottes für sich deuten. Der „Tisch des Wortes“ ist jeden Sonntag reich gedeckt! Das gibt Kraft für die nächste Woche.

Die „aktive Teilnahme“ am Gottesdienst beschränkt sich bei diesem Format nicht wie gewohnt nur auf die Antworten in der Liturgie, auf das Singen der Lieder, auf das Hören der Schrift und einer Predigt, auf den Austausch des Friedensgrußes, sondern alle sind beteiligt, wenn zu Beginn jeder und jede etwas von sich erzählt, sich an der Schriftauslegung beteiligt und auch die Anliegen für die Fürbitten zusammenträgt.

Ich bin gewiss, die Teilnehmer*innen werden sich in Zukunft nicht mehr mit der mehr oder weniger passiven „aktiven Teilnahme“ zufriedengeben. Corona hat auch hier etwas zum Vorschein gebracht. Wir dürfen es nicht wieder verschütten.