Was ist dein Schatz?

Für alle Fälle habe ich einen kleinen Notfallkoffer gepackt – mit den wichtigsten Dokumenten für den Ernstfall. Dabei stellte sich mir plötzlich eine andere Frage: Was ist eigentlich mein Schatz? Was würde ich auf jeden Fall mitnehmen? Jesu Gleichnisse vom Schatz im Acker und von der kostbaren Perle führen mitten hinein in diese Frage. Sie laden ein, neu zu entdecken, was unserem Leben wirklich Wert und Richtung gibt.

Mein neuer Wohnort im Ahrtal wurde 2021 von einer furchtbaren Flut sehr beschädigt. Das Haus, in dem ich eine Wohnung gefunden habe, ist nach der Flut neu gebaut worden. Wie alle hier im Tal hoffe ich, dass sich ein solches Ereignis nicht so schnell wieder wiederholt, trotzdem habe ich mir für alle etwaigen Notfälle einen kleinen Koffer gepackt mit den wichtigsten Unterlagen, die man braucht, wenn man das Haus schnell verlassen muss.
Neben den wichtigen Dokumenten stellte sich mir plötzlich eine andere Frage: Was ist eigentlich dein Schatz? Was wäre mir so kostbar, dass ich es auf jeden Fall mitnehmen wollte?“
Ein Erinnerungsstück von einer Begebenheit aus einem Urlaub? Ein Foto mit lieben Menschen? Oder vielleicht etwas, das man gar nicht anfassen kann, wie: Liebe? Hoffnung? Oder: Frieden?

Ein Abschnitt im Matthäus-Evangelium kreist genau um diese Frage: was ist wirklich kostbar im Leben der Menschen. Was ist wirklich kostbar in deinem Leben?

Perle in Muschel auf Acker

Da ist der Mann, der auf einem Acker einen Schatz findet. Der Fund gehört nicht dem Finder, sondern dem Bodenbesitzer, auf dessen Grund er entdeckt wurde. Deshalb muss er den Acker erwerben. Ähnlich ergeht es dem Kaufmann: Um jeden Preis will er diese kostbarste von allen Perlen erwerben, die er je zu Gesicht bekommen hat.

Beide tun etwas, das auf den ersten Blick verrückt erscheint: Sie verkaufen alles, was sie besitzen, um nur diesen einen Schatz zu erwerben.

Zwei Dinge fallen mir auf:
Die Freude, aus der heraus beide handeln.
Die Radikalität ihres Handelns. Sie verkaufen alles, was sie besitzen, nur um diese Schätze zu erwerben.

Nicht der Verzicht ist das Entscheidende. Entscheidend ist die Entdeckung. Wer einen Schatz gefunden hat, denkt nicht mehr darüber nach, was er verliert. Er freut sich über das, was er gewinnt.

Schatz im Acker und Perle stehen für das Reich Gottes. Dieses Reich Gottes ist nicht irgendwo und irgendwann. Es ist in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. In ihm gibt es keine Deals und keine Zölle, nicht die Gier nach Macht, nicht das Streben nach Besitz. Es ist kein Tummelplatz für die Fürsten dieser Welt!

Das Reich Gottes bricht auf dieser Erde an, überall dort, wo Menschen in Gott den Schöpfer, den Vater aller Menschen sehen, wo sie in jedem Menschen Bruder oder Schwester erkennen und sich mit der ganzen Schöpfung geschwisterlich verbunden wissen.
Überall dort wo Menschen sich nicht nur um das eigene Seelenheil bemühen sondern auch in Sorge sind um die Mitmenschen. Wo sie Verantwortung für die Gesellschaft und für das Wachstum dieses Gottes Reiches übernehmen.

So betrachtet ist das Reich Gottes wirklich ein Schatz, den ich zwar mit keinem Geld dieser Welt erwerben kann, aber für den sich jeder Einsatz lohnt. An diesem Reich teil zu haben, das geht nicht nebenbei! Dazu braucht es meine ganze Existenz, Leib und Seele, Herz und Verstand.

Vielleicht kennen Sie Menschen, die so leben. Vielleicht sind Sie selbst ein solcher Mensch.

Wenn nicht, dann machen Sie sich auf die Suche nach dem Schatz im Acker, nach der kostbaren Perle.
Manchmal entdecken wir den größten Schatz unseres Lebens genau dort, wo wir gar nicht nach ihm gesucht haben. In einer Begegnung. In einer Krise. In einem Menschen. Oder in einem Augenblick, in dem Gott uns plötzlich aufleuchtet.

Bitten wir den Herrn um ein hörendes Herz, um ein wachsames Auge, um ein offenes Herz, damit wir neben all den Schätzen dieser Welt diesen einen Schatz finden, der bleibt für die Ewigkeit.
Denn vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem wir unser Leben noch einmal neu ordnen müssen. Dann wird sich zeigen, was wirklich zählt. Nicht das, was wir besitzen. Sondern das, was uns trägt. Wer diesen Schatz gefunden hat, der kann vieles loslassen – weil er das Wichtigste längst gefunden hat.

Foto: J.Rudolf in Pfarrbriefservice

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