Zehn Gemeinden werden eine.
Was nach Verwaltung klingt, berührt etwas Existenzielles: Heimat, Verantwortung, Zukunft von Kirche vor Ort.
Diese Predigt ist in einer konkreten Situation entstanden – und stellt eine Frage, die viele Gemeinden heute umtreibt:
Warten wir auf Entscheidungen von oben – oder gestalten wir Kirche selbst?
Wir stehen auf den Schultern anderer.
Die Forscherin lebt von den Erkenntnissen, die andere vor ihr gewonnen haben.
Politiker profitieren von dem, was ihre Vorgänger aufgebaut haben.
Kinder wachsen in dem auf, was Eltern ihnen ermöglichen.
Schülerinnen und Schüler lernen von dem, was Lehrerinnen und Lehrer weitergeben.
Und wir als Glaubende stehen auf dem Glauben derer, die vor uns waren.
Auch hier. An diesem Ort!
Unser Dorf ist alt. Über 1100 Jahre alt.
Und diese Pfarrei hat im letzten Jahr 925 Jahre gefeiert.
Das ist eine lange Geschichte – länger, als unsere Erinnerungen reichen. Die meisten von uns kommen vielleicht bis 1900 zurück. Weiter nicht.
Und doch stehen wir heute auf dem, was Generationen vor uns getragen haben.
Am Neujahrstag gab es eine große Zäsur: die Pfarrei wurde nach 925 Jahren aufgelöst und Teil der neuen Pfarrei St.Andreas, Ahr-Eifel.
Die meisten hier im Ort werden gar nicht bemerken, dass sie jetzt keine Pfarrei, sondern nur noch ein Bezirk sind. Und seitdem hier kein Pastor mehr wohnt, hat sich eh schon vieles verändert.
Wie es jetzt weitergeht, hängt wesentlich von Ihnen ab. Nicht zuerst von Trier, nicht vom Dekan, nicht von hauptamtlichen Kräften. Kirche in Dernau lebt davon, dass Menschen in Dernau Verantwortung übernehmen..
Für die Eucharistie brauchen Sie einen Priester.
Für manche Sakramente einen Diakon.
Aber das Leben der Gemeinde – das Gebet, das Miteinander, das Weitergeben des Glaubens – das liegt in Ihren Händen.
Ich höre von den mühsamen Prozessen im Vorfeld der Bildung der neuen Pfarrei. Da hat man die Einwohnerzahlen gegeneinander aufgerechnet, da hat man dieses oder jenes verlangt. Was kriegen wir? Was kriegen die?
Ich komme von außen hier in die Pfarrei und ich prophezeie Ihnen: wenn das Aufrechnen das neue Miteinander in der Pfarrei wird, dann macht in ein paar Jahren der letzte das Licht in Dernau und an vielen anderen Orten auch aus.
Das Ahrtal mit seinen Bergdörfern hat nach der Flut ein großes Zeugnis der Solidarität und des Miteinanders abgelegt. Da ging es nicht darum, kommst Du aus Dernau oder aus Krälingen oder aus Staffeln oder Altenahr. Da ging es drum, wie können wir diese große Katastrophe gemeinsam bewältigen.
Wenn wir aus diesem Geist des Miteinanders heraus, die neue Pfarrei gestalten, dann hat diese Pfarrei St.Andreas eine gute Zukunft.
Dernau hat – neben Altenahr – in der neuen Pfarrei ein echtes Privileg: eine regelmäßige Sonntagsmesse um 11 Uhr. Das ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Auf diesem Privileg könnten wir uns ausruhen.
Besser aber wäre es: Dieses Privileg weitet unseren Blick.
Für Rech und Mayschoss und all die anderen Orte.
Sie sollen wissen und erleben: Unsere Türen stehen offen und wir heißen sie gastfreundlich willkomen. Und wir selbst müssen bereit sein, auch zu ihnen zu gehen.
Die neue Struktur bietet auch die Chance für ein neues Miteinander hier im mittleren Tal. Das kann nicht von oben verordnet werden, das geht nur von unten! Das geht auch nur, wenn die alten Ressentiments, die schon die Großväter gegeneinander hatten, in die Mottenkiste der Geschichte gelegt werden.
Dass das gelingen kann, erlebe ich auch an anderer Stelle.
Anfang des Advents habe ich mit dem Erzbischof von Berlin über die Pastoral in seinem Bistum gesprochen. Er hat Pfarreien, die sind riesig. – teilweise mit einem Durchmesser von 70 und mehr Kilometern. Vor Ort gibt es oft nur wenige Christen.
Bischof Koch sagte mir: Unser Prinzip ist, die Leute vor Ort sind überzeugt: wir sind Kirche vor Ort!
Ein tolles Prinzip: Wir sind Kirche vor Ort. Wir warten nicht auf die da oben in Trier, in Ahrweiler oder Altenahr. Wir sind Kirche in Dernau.
Wir sorgen uns, dass hier miteinander gebetet und das Wort Gottes gehört wird.Wir sorgen uns, dass es bei uns fähige Leute, gibt, die andere beerdigen.
Wir sorgen dafür, dass die Kinder hier etwas über den Glauben erfahren.
Um ein paar Beispiel zu nennen.


