Mit diesen wenigen Worten nimmt Jesus Johannes dem Täufer die Einwände aus der Hand – und eröffnet einen neuen Blick auf Gott und auf unser eigenes Leben.
Das Fest der Taufe des Herrn ist mehr als ein liturgischer Schlusspunkt der Weihnachtszeit: Es ist eine Einladung, Gottes Nähe zu entdecken, Kontrolle loszulassen und Hoffnung zu wagen – nicht als naiven Optimismus, sondern als Vertrauen, das auch durch dunkle Wasser trägt.
Weihnachten liegt hinter uns.
Die vertrauten Gestalten sind verschwunden, die Erzählung ist abgeschlossen.
Auch wir sind wieder im Alltag angekommen: Termine, Arbeit, Schule – ein neues Jahr hat begonnen.
Was bleibt von Weihnachten? Was nehmen wir mit?
Das heutige Fest der Taufe Jesu ist wie eine Zusammenfassung der letzten Wochen, ein großer Schlussakkord und zugleich wie eine Ouvertüre. Verbinden wir unsere Gedanken mit drei Wünschen für dieses Jahr, das ja noch am Anfang steht.
- Gott mit uns
Schauen wir auf die Szene am Jordan. Zu Hunderten sind die Menschen gekommen, um sich taufen zu lassen von Johannes, dem großen Prediger der Wüste. Menschen aus wohl ganz unterschiedlichen Gegenden, mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und auch Hoffnungen.
Jesus reiht sich ein in die Schar – so, als ob er sagen wollte: Ich bin einer von euch. Ich kenne eure Hoffnungen und eure Abgründe. Ich weiß um das Leid, das Menschen trifft – unverschuldet, oft unaussprechlich.
Darum bin ich hier..
Ja, ich weiß, wie oft ihr alle unterwegs seid und Ausschau haltet, nach Gesundheit, nach Heilung, nach Wunder, nach Frieden, Freude und Glück.
Jesus, der Herr, reiht sich ein unter uns Menschen: Ein großartiges Bild der tiefen Solidarität Gottes mit den Menschen. Hier wird schon deutlich, was der Engel dem Josef im Traum gesagt hat: Sein Name wird sein Immanuel – Gott mit uns!
Ich wünsche Ihnen, dass Sie dieses Mit-sein Gottes in diesem Jahr immer wieder erfahren.
- Lass es nur zu
Jesus kommt zu Johannes, um sich taufen zu lassen. Aber der Täufer wehrt ab: „Ich müsste von Dir getauft werden“. Der Täufer repräsentiert den logisch denkenden Menschen, der klar erkennt, eigentlich müsste es umgekehrt sein.
Wie kann sich Jesus von mir taufen lassen. Gewiss darüber kann man lange spekulieren, aber statt lange Diskussion zu führen, sagt Jesus, fast zärtlich: „Lass es nur zu!“
Das Wort schmeckt einem logisch denkenden Menschen nicht, denn es nimmt uns das Heft aus der Hand. „Geschehen lassen“, wo wir doch am liebstes alles selbst bestimmen und nicht gerne über uns verfügen lassen.
Das öffentliche Wirken Jesu beginnt damit, dass Gottes Wille erfüllt wird und dies geschieht im Zulassen.
Ich kenne Menschen, die erfahren haben: Erst als sie aufgehört haben, alles erzwingen zu wollen, wurde ein neuer Weg möglich – anders als gedacht, aber tragfähig.
Vielleicht kennen sie ähnliche Beispiele aus Ihrer Biografie oder aus dem Leben Ihrer Freunde und Bekannte. Wenn wir unseren eigenen Willen lassen, und Gottes Willen zulassen, verändert sich unser Leben, wird das Heil möglich.
Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, sich dem Willen Gottes zu öffnen, ihn zuzulassen.
- Hoffnung statt Optimismus
Auf einer griechischen Ikone wird die Taufe Jesu im Jordan dargestellt. Man sieht eine enge Schlucht ab. Zwischen zwei schroff abfallenden Felsen erscheinen in der Tiefe die dunklen, fast schwarzen Fluten des Jordan. In diesen Schlund taucht Jesus ein, gleichsam in die dunkle Tiefe unserer Welt.
Dorthin ist der Sohn Gottes hinabgestiegen. Er hat die dunkle Realität unseres Lebens und unserer Welt mit all ihrer Zerrissenheit und Bodenlosigkeit mit Haut und Haaren angenommen. Jesus wird getauft mit den Wassern dieser Wirklichkeit. Mit allen Wassern dieser Welt wird er gewaschen, indem er eintaucht in die Abgründe dieses Lebens.
Aber er taucht nicht nur hinab, sondern er steigt auch wieder hinauf. „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel!“ Die Taufe, jede Taufe ist ein Augenblick der Hoffnung. Der offene Himmel ist kein Augenblicksereignis, sondern ist die Zusage an den getauften Jesus, an jeden Getauften: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“
Ich wünsche Ihnen, dass der Himmel immer für Sie offen bleibt und dass das Wort: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter“ für Sie zur Quelle Ihrer Hoffnung wird.

