Der Rettungsgriff der Auferstehung

Warum Ostern uns nach Galiläa schickt

Ostern endet nicht am leeren Grab. Der Engel schickt die Jünger nach Galiläa – dorthin, wo ihr Alltag beginnt. Genau dort begegnen wir dem Auferstandenen.

Als ich am Freitag nach der Liturgie nach Hause kam, fand ich auf meinem Telefon eine Nachricht meines ältesten Freundes, der in der Nähe von Assisi wohnt. Sein 22-jähriger Sohn lässt sich in dieser Osternacht taufen.
Und ich dachte:
Das ist eigentlich das persönlichste Osterfest, das ein Mensch feiern kann.

In der Ostkirche wird die Auferstehung oft so dargestellt:
Christus steigt hinab in die Unterwelt und packt Adam und Eva an den Handgelenken – mit dem Griff eines Retters, der einen Ertrinkenden aus dem Wasser zieht.
Nicht Adam zieht sich selbst heraus.
Christus zieht ihn heraus.

Auferstehungsikone – Christus zieht Adam und Eva aus dem Grab (Anastasis)
Christus zieht Adam und Eva aus dem Grab – Darstellung der Auferstehung („Anastasis“) aus der Chora-Kirche in Istanbul, um 1315–1321.
Foto: Gunnar Bach Pedersen / Wikimedia Commons, Public Domain.

Genau dieses Bild beschreibt auch die Taufe.
Ein Mensch wird nicht nur in eine Gemeinschaft aufgenommen, er wird nicht einfach „Vereinsmitglied“.
Vielmehr: Er wird von Christus selbst ergriffen – und hineingezogen in sein neues Leben.

Genau das ist auch in unserer Taufe geschehen:
Jesu Rettungsgriff hat auch uns gefasst und in seine Auferstehung hineingezogen.

Das Galiläa unseres Lebens

Wenn der junge Mann in dieser Osternacht getauft wird, hört er das Evangelium der Osternacht. Darin sagt der Engel:
Fürchtet euch nicht!
Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden; er ist nicht hier. […]
Nun aber geht!
Er geht euch voraus nach Galiläa.

„Nun aber geht!“ –
Jede entscheidende Begegnung mit Gott in der Bibel ist mit einem Auftrag verbunden.
Auch uns gilt dieses Wort.
Der Engel schickt uns nach Galiläa.

Dieses Galiläa findet man auf keiner Landkarte.
Es ist unsere Welt,
die Welt der Glaubenden und der Zweifelnden,
der Frommen und der Lauen,
der Heiligen und der Sünder.

Es ist unsere Alltagswelt – das, was wir jeden Tag erleben.
Dort finden wir den Auferstandenen.
Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung“, heißt es in einem Kirchenlied.

Hier beginnt unsere eigene Geschichte.
Denn jetzt müssten wir erzählen
von den Momenten, in denen wir im Alltag Spuren des Auferstandenen entdeckt haben.
Dort nämlich, wo das, was Jesus gesagt und getan hat, nicht auf seine irdischen Jahre beschränkt bleibt, sondern auch heute geschieht:
in Zuwendung,
in Versöhnung,
in Vergebung.
Dort, wo sich die Geschichten aus den biblischen Dörfern Galiläas heute unter uns ereignen.

Wir könnten erzählen, wo wir dem Herrn begegnet sind:
in Kranken,
in Fremden,
in Ausgestoßenen,
in leidenden Menschen.

Oder von den Augenblicken unseres eigenen Lebens,
in denen nach einer langen Nacht wieder Tag wurde,
in denen neue Hoffnung aufleuchtete
und plötzlich wieder Zukunft möglich war.

Es brennt jetzt die Osterkerze.
Ihr Licht steht für die vielen kleinen Lichter im Galiläa unseres Lebens
Lichter, die Dunkelheit vertreiben und Hoffnung schenken.
Also: Auf nach Galiläa.
„Wer aufbricht, der kann hoffen – in Zeit und Ewigkeit.“
Ich bin dabei.
Gehen Sie auch mit?