Komfort des Trostes

Was wäre, wenn Trost kein billiger Ersatz wäre, sondern ein kostbarer Komfort?
„Comfort ye“ – so beginnt Händels Messias. Ein Klang, der nicht erklärt, sondern trägt.
Ein Adventsgedanke über einen Gott, der bleibt – und den Trost zur Lebensmelodie macht..

Wer es lieber klassischer instrumentiert hören möchte: HIER ist der Link!

Hotels bieten Komfortzimmer, Autos werben mit Fahrkomfort, Möbel gibt es mit Sitzkomfort und selbst der Kabelanschluss wird mit Komfort HD angeboten. Komfort, das bedeutet Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, gutes Gefühl. Komfort muss man sich allerdings auch leisten können.

Comfort ye“  so beginnt Händels Messias.  Dieser Eingangschor greift einen Text des Propheten Jesaja auf. „Comfort ye“ heißt übersetzt: „Tröste dich“ – oder noch persönlicher: „Lass dich trösten.“ Man könnte auch das Sprachspiel wagen: Leiste Dir den Komfort des Trostes!

Trost – was ist das überhaupt:  Trost bedeutet zuerst einmal: da nimmt mich jemand ernst, meinen Kummer, meinen Schmerz, meine Tränen berühren ihn, weil ihm etwas an mir liegt.
Da hört mir jemand zu, da nimmt mich jemand in den Arm, da teilt jemand meinen Schmerz, da sagt mir jemand ein gutes Wort.

Es gibt so viele Trostlosigkeiten im Leben: nicht nur der Verlust eines Menschen, nicht nur der Bruch einer Beziehung, nicht nur ein großer Schmerz. Es gibt den Schmerz der Kinder, die Enttäuschung des Freundes, das Mobbing am Arbeitsplatz, das Gefühl, zu versagen in der Schule, im Studium, im Beruf. Manche Leiden sind laut, andere legen sich still wie Mehltau über das Leben: Niedergeschlagenheit, Depressionen, eine bleierne Traurigkeit.

Es gibt so viele Trostlosigkeit im Leben, da ist Trost gefragt. Und wir wissen: wichtiger als eine besondere Tat oder ein kluger Rat ist die Gegenwart eines besorgten Menschen. Wenn jemand uns in einer solchen Situation sagt: „Ich weiß nicht, was ich sagen oder tun soll, aber du darfst wissen, ich bin bei dir und lasse dich nicht im Stich“, dann haben wir einen Menschen gefunden, durch den wir Trost erfahren.

Die heutige Lesung macht deutlich: Gott kennt die Trostlosigkeit des Menschen. Er weiß, dass wir Trost brauchen.
Jesus selbst nennt den Heiligen Geist den „Tröster“ (Joh 14,16). Paulus spricht vom „Gott der Geduld und des Trostes“ (Röm 15,5).
Und schon im Alten Testament hören wir diese Stimme: Als das Volk Israel siebzig Jahre im babylonischen Exil lebte, wurde ein Prophet gesandt mit der Botschaft: „Tröstet, tröstet mein Volk“, spricht euer Gott. Trostvolle, fast schon zärtliche Worte!

Was ist das für ein Gott, der so zu den Menschen spricht?
Er selbst gibt die Antwort: Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.

Das ist die Frohbotschaft, die wir an Weihnachten feiern: Gott ist nicht der Ferne geblieben, er hat sich in Jesus darauf eingelassen, solidarisch mit uns zu leben, unsere Freude und Leiden, die Last des Lebens mit uns zu teilen.

Ja, er ist der Trost der ganzen Welt, nicht der Gott der schnellen Antwort und Lösung.
Trost, das wissen wir alle, bedeutet auszuharren, zuzuhören, mit dem anderen die Schwäche und Ohnmacht zu teilen.
Je mehr ich darüber nachdenke, je mehr wird mir bewusst, was es bedeutet, wenn dieser menschgewordene Gott den Namen „Immanuel“ trägt, „Gott ist mit uns“. Gott harrt bei mir aus in allen Trostlosigkeiten meines Lebens.

Auch wir sind eingeladen, uns den Komfort des Trostes zu leisten. Schaut man im Lexikon nach, dann wird das englische Comfort übersetzt mit: trösten, ermutigen, beruhigen, erfreuen, laben, ermuntern.

Das könnte schon fast ein Programm sein für den Advent sein. Ausschau zu halten nach denen, die den Trost nötig haben. Sie trösten, ermutigen, beruhigen, erfreuen, laben, ermuntern.
So werden wir Wegbereiter der Erlösung
und Hoffnungsbotinnen und -boten. So können wir Gebeugten neuen Lebensmut
und neue Hoffnung zu schenken.

Leisten wir uns den Komfort, den Trost Gottes anzunehmen – und einander zu trösten.
Dann wird das „comfort ye“ vielleicht tatsächlich zur tragenden Lebensmelodie unseres Lebens.

ADVENT in DERNAU – Rorate-Messe

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