Mann oder Frau gesucht!

307783_original_R_K_by_Judith Lisser-Meister_pixelio.deIch gebe zu, seitdem ich weiß, was die Generalsanierung des Bonner Münsters kosten wird, schlafe ich schlechter. Jetzt liegt die Zahl auf  dem Tisch: 20,22 Millionen Euro plus/minus 30% nach oben und unten (wobei ich mir „nach unten“ kaum vorstellen kann). Wer soll das bezahlen? Ich bin gewiss, das Erzbistum Köln wird einen großen Teil der Kosten aus Kirchensteuer-Mitteln finanzieren. Aber es wird „etwas“ für uns übrig bleiben. Für uns, damit meine ich die Kirchengemeinde und die Gemeinde am Bonner Münster. Es gibt Dinge, die uns wichtig sind (etwa das Thema „Inklusion“), die wir auf jeden Fall auch umsetzen wollen. Schließlich wollen wir nicht nur das Gebäude erhalten, sondern es zukunftsfähig machen für kommende Generationen.

Alles kostet Geld. Ideen an Geld zu kommen, haben wir viele. Aber wer setzt sie um?

Wir benötigen jemanden, der die Ärmel hochkrempelt und sagt: Das Münster ist meine Sache! Dafür putze ich Klinken, dafür schreibe ich Briefe und Mails, dafür greife ich zum Telefonhörer. Mann oder Frau mit Liebe zum Münster. Mann oder Frau mit Kreativität und Einsatzbereitschaft! Jemand, der los marschiert! Jemand, den wir bisher vielleicht noch nicht im Blick hatten. Ein Kopfgeld kann ich nicht aussetzen für sachdienliche Hinweise  – aber dankbar wäre ich schon dafür. Und ein Essen im Kreuzgang wäre schon drin!

(Fotoquelle: pixelio.de/Judith Lisser-Meister)

Freunde treffen in Bethlehem

Stell Dir vor, Du kommst nach Bethlehem und Dich empfangen Freunde. So geschehen während unserer Israel-Reise. In der Geburtsstadt Jesu empfingen uns die Salesianer-Patres, mit denen wir über die Aktion „Bonn hilft Bethlehem“ verbunden sind. In der Krippenausstellung in ihrem Haus sind mehrere hundert Krippendarstellungen zu sehen. Eine hat mich besonders fasziniert.

Sie wurde 2010 von einem italienischen Künstler aus Carara-Marmor geschaffen und reduziert das Geschehen von Bethlehem auf das Wesentliche. Wo sind die Engel? Für mich sind die Patres und Lehrer hier die Engel, die den jungen Menschen in ihrer Schule ädie frohe Botschaft von einem Gott verkünden, der der Friede ist, gütig und barmherzig. Der durch seine Menschwerdung die Würde eines jeden Menschen erneuert.

Wo sind die Hirten, die Armen, die Chancenlosen? Für mich sind es die rund 150 jungen Menschen, die auf der Technical School der Salesianer eine Ausbildung erhalten und damit eine Perspektive für ihre Zukunft. Sie kommen aus den pälästinesischen Städten und Dörfern und lernen von ihren Familien oft nur den Hass. Bei den Salesianern hören sie eine andere Botschaft. Hier stoßen sie nicht auf Mauern, sondern auf Zuwendung und Menschlichkeit. Hier hören sie von den Werten, die für das Zusammenleben unerlässlich sind.

So bleibt die steinerne heilige Familie im Museum der Salesianern nicht allein. Sie ist umgeben von lebendigen Menschen, die die Botschaft lebendig machen. Wie sagte der Engel im Evangelium: „HEUTE ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren“. Er meinte damit nicht den 25.12. im Jahre 0. Er meinte HEUTE – und das ist immer dann, wenn Menschen die alte Botschaft lebendig werden lassen.

Mehr zur Aktion: Bonn hilft Bethlehem
 

Wir stehen auf den Schultern anderer

 

  „Gottes eigenes Land“ nennen die Menschen Yorkshire. Sie haben recht: ein fruchtbares Land mit weiten Feldern, Wiesen, Weiden. Und dazwischen immer wieder Zeugnisse gelebten Christseins und eindrucksvoller christlicher Geschichte. Man staunt heute noch, welche Kulturleistung die Benediktiner und nach ihnen die Zisterzienser dort vollbracht haben. Die Ruinen der Klosteranlagen lassen noch heute ihre Größe erkennen. Mehrere hundert Mönche und Brüder lebten dort in den Blütenzeiten des 12. , 13. und 14 Jahrhunderts. Die Abspaltung von Rom unter Heinrich VIII. zu Beginn des 16.Jahrhunderts hatte auch die Zerstörung dieser großen geistlichen Zentren zur Folge. 

Während man durch’s Land fährt hört man Geschichten von Männern aus dem 7.Jahrhundert, die den christlichen Glauben aufs europäische Festland gebracht haben: Willibrord, Suitbertus, Winfried (Bonifatius) . Vorausgegangen war eine wegweisende Entscheidung, die massgeblich von Wilfrid von York beeinflusst worden war: man wollte eine „römische“ Kirche sein, weltumfassend und nicht auf die eigene Nation beschränkt.

 

 Plötzlich wird mir wieder bewusst: wir stehen auf den Schultern anderer. Mit uns hat der Glaube nicht begonnen. Wir haben ihn geerbt von unseren Eltern, Großeltern und Lehrern. Wir, die wir uns oft für den Nabel der Welt halten, sind nur ein winziger Teil in der Geschichte der Menschheit. Dann kann man nur demütig und bescheiden werden. Welche Spuren werden wir einmal hinterlassen? Werden die Menschen dann beim Anblick unserer Werke auch spüren wie groß unser Glaube war – so wie in den verlassenen Abteien in Gottes eigenem Land?

Bilder von der Reise durch Yorkshire mit dem Bonner Münster Bauverein gibt es hier: https://flickr.com/photos/133589133@N08/sets/72157657663330149

78 Millionen für einen Menschen!

„Kevin de Bruyne wechselt wahrscheinlich für 78 Millionen € von Wolfsburg nach Manchester“ – der Moderator im Morgenmagazin verkündet es so als ob er ankündigen wolle, dass bei ALDI oder EDEKA der Milchpreis um 2 Cent sinkt oder steigt.
78 Millionen € für einen Menschen! Mir stockt der Atem. Ob Fußballspieler eigentlich wissen, dass sie gehandelt werden wie eine Ware? Fußballvereine sind heute große Wirtschaftsunternehmen. Hin und wieder wie im Fall Hoeness konnte man einen kleinen Blick hinter die Finanzkulissen erhaschen. Die Spieler –sie nennen sich Sportler – müssen für Geld „spielen“, kämpfen wie die bezahlten Gladiatoren in den römischen Arenen. Und da Geld nicht stinkt, was auch schon die alten Römer wussten, tun sie das gerne angesichts der Millionen, die auf ihren Bankkonten eingehen.
Mich stört das schon seit vielen Jahren. Ich bin kein Fußballfan; aber meine Sympathie gehört dem 1.FC Köln und es macht mir auch Freude mit anderen manches Fußballspiel im Fernsehen anzuschauen.
Nur die Gehälter der Spieler und die Transfersummen sind unverhältnismäßig. Die Polizisten, die vor den Stadien für Ordnung sorgen, müssen Jahrzehnte arbeiten, um nur ein Jahresgehalt der Kicker zu verdienen. Und die Krankenschwester, die den verletzten Star im Krankenhaus auf der Privatstation pflegt, muss damit leben, dass ihr Gehalt um ein paar Euro ansteigt, was oft nicht ausreicht, um eine Familie zu ernähren.
Das mag einfach klingen und ich will auch keinen Sozialneid schüren. Ich weiß auch, dass es Menschen gibt, die mehr und andere, die weniger als andere verdienen. Aber Papst Franziskus fordert uns auf „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ zu sagen. In Evangelii Gaudium lesen wir: „Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht.“ (EG 53) Papst Franziskus nennt es „die große Herausforderung der Welt“ die „Globalisierung der Diskriminierung und der Gleichgültigkeit“ durch die „Globalisierung der Solidarität und Brüderlichkeit“ zu ersetzen. Für ihn steht fest: „Die Ungleichverteilung der Einkünfte ist die Wurzel der sozialen Übel.“ Angesichts der vielen Flüchtlinge, die zur Zeit auf dieser Erde unterwegs sind, macht mich die Meldung über den Fußballer-Transfer zornig. Ich fürchte, der Papst hat recht: die Masse nimmt es hin!

Angst vor dem Kulturschock

 

 Ich gestehe: ich habe Angst vor dem Kulturschock. Jetzt bin ich 14 Tage auf der Insel und habe mich an das Leben hier gewöhnt: keine Autos, kein Lärm, nur das Klappern der Pferdehufe. Keine Hektik, das Leben wird entschleunigt und muss sich den Gezeiten des Meeres anpassen. Ich liebe es, in der Domäne Loog zu sitzen und bei einem Pott Tee auf die Weite der Salzwiesen, des Watts und des Wassers je nach Tageszeit schauen. In den zwei Wochen habe ich die Reste der Schafskälte erlebt und ich bin im Pullover am Strand entlang gelaufen. Die letzten Tage waren schweißtreibend und am Abend war ich dankbar für die frische Brise, die vom Meer herüber wehte. „Wo geht’s heute hin“, die Frage, die oft am Anfang eines Urlaubstages steht, war schnell beantwortet: entweder per Fahrrad nach Osten zum Flugplatz oder nach Westen zur Domäne Bill. Und dann zu Fuß weiter. Mal kam der Wind von vorne, mal gab einem der Wind zusätzliche Schubkraft. 

Ich habe die Tage genossen – und morgen soll ich wieder aufs Festland und dann auch noch nach Berlin. Ich fürchte, es wird ein Kulturschock werden und ich werde mich zurücksehnen auf die 500 Meter zwischen Sandstrand und Wattenmeer. Heute morgen habe ich den Menschen im Gottesdienst von der Maus Frederik erzählt, die im Sommer fleißig Sonnenstrahlen, Farben und Worte für die grauen Wintertage gesammelt hatte. Vorräte, die wir in der Vorratskammer unserer Seele sammeln. Vorräte, denen Rost und Motten nichts anhaben können. (vgl. Matthäus-Evangelium 6 Kapitel 19,Vers)

Ich hoffe, ich  habe meine Vorratskammer in den letzten beiden Wochen gut aufgefüllt. Dann will ich es auch gerne für ein paar Tage mit Berlin versuchen, wo ich halb dienstlich, halb privat hin muss. Doch ein bißchen Angst bleibt doch.

Mehr Bilder von einem entschleunigten Urlaub gibt es hier

Gott ist mein Lotse

 

 „God is myn Leidsmann“ steht auf den Kacheln am Eingang des Insel-Pfarrhauses. Die erste Assoziation „Gott ist mein Leidensgefährte“ gefiel mir, weil sie mich erinnerte an die Solidarität des Gekreuzigten mit den Leidenden dieser Welt und auch mit mir mit meinen kleinen Leiden. Aber ich wurde belehrt: „Leidsmann“ leitet sich ab vom neuenglischen „loadsman“ und heißt übersetzt Lotse. Das altenglische Wort „lād“ (Weg) steckt genauso darin wie „ lǣdan“ (leiten). 

„Gott ist mein Lotse“ – ein Wort, das hier an die Küste besser passt als das bäuerliche „Gott ist mein Hirte“, das uns im 23. Psalm überliefert wird. Die Menschen hier wissen, wie wichtig ein Lotse ist, der die Fahrrinnen kennt, der weiß, wo Riffs und Untiefen lauern, der Entfernungen abschätzen kann, Wind und Wolken deuten und dafür sorgt, dass das Schiff den sicheren Hafen oder die Freiheit des offenen Meeres erreicht.

Die biblischen Bilder stimmen auch hier: Gott führt mich, er leitet mich, seine Hilfe (sein Stock und sein Stab) geben mir Zuversicht.

Wir benötigen den Lotsen aber nicht nur auf dem Wasser. Auch im Dickicht oder im Gewirr unseres Alltags kann es notwendig werden, jemanden zu haben, der uns den richtigen Weg weist. Auch dort lauern Hindernisse, die uns auf Grund laufen lassen, und Untiefen, deren Strudel uns hinabreißen. Und wer die richtige Zeit verpasst, dessen Lebensschiff sitzt auf dem Trockenen und muss warten bis eine neue Flut kommt.

Es gibt viele, die sich uns als Lotsen andienen. Viele haben nur die eigenen Interessen im Blick. Manche machen lautstark in den Medien auf sich aufmerksam, aber ihre Worte sind Schall und Rauch. Sie versprechen, was sie nicht einhalten können.

Da gilt es, zu unterscheiden. „Gott ist mein Lotse“ – dieses Bekenntnis bewahrt davor, falschen Propheten zu folgen, und hilft, denen zu trauen, hinter deren Wirken Gott selbst sichtbar wird. Und wenn kein Mensch da ist, hilft auch ein Blick in die Heilige Schrift, durch die Gott selbst zu uns spricht.