Greccio 19.10.2013
Wie an den Felsen geklebt erscheint das Kloster von Greccio. Dort hat der Heilige Franziskus 1223 die erste Krippendarstellung gebaut. Die Menschen sollten mit eigenen Augen sehen, in welcher Einfachheit Gott Mensch wurde. Nicht im Palast der reichen Herren, sondern in der Armut des Stalles von Bethlehem. Die Menschen seiner Zeit haben das Zeichen verstanden. Der Wald von Greccio war erfüllt von den Lobgesängen der Menschen. Inzwischen sind die Krippen in unseren Häusern zur Wohnzimmer-Dekoration verkommen und auch in vielen Kirchen ergötzt man sich an kunstvollen Darstellungen ohne sich von dem Ereignis selbst berühren zu lassen. Die Krippe im Bonner Münster an diesem Weihnachtsfest 2013 will dem Vorbild des Heiligen Franziskus nacheifern: so wie er das Weihnachtsgeschehen im Wald von Greccio ansiedelte, so werden wir das Ereignis von Bethlehem in der Kulisse unserer Stadt darstellen. Das wird manche Betrachterin und manchen Betrachter verwirren, aber hoffentlich wird die Botschaft genau wie hier in Greccio verstanden.
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Frühling für die Kirche
Rom ist in diesen Wochen für manche Überraschung gut. Zuerst tritt der Papst zurück. Eine Tatsache, an die man sich als Katholik zuerst einmal gewöhnen muss; denn ein solcher Schritt stand außerhalb unseres bisherigen Denkens. Person und Amt sind nicht identisch, machte Benedikt XVI. mit seiner Entscheidung deutlich. Der neue Papst ist ein Kirchenmann aus Lateinamerika, ein Bischof mit der Option für die Armen, der sich als Papst den Namen Franziskus gibt. Er fährt am Morgen nach seiner Wahl mit einem einfachen VW Passat durch die Stadt, betet in Santa Maria Maggiore und lässt sich anschließend in das Hotel bringen, wo er noch seine Übernachtungsrechnung bezahlen muss. In seiner ersten Messe fehlen die in den letzten Jahren so selbstverständlich gewordenen Attribute päpstlicher Gottesdienste, alles ist viel einfacher geworden. Die Predigt hält er nicht vom „Thron“ aus, sondern er steht am Ambo, ohne Manuskript. Drei Dinge gibt er den Kardinälen und damit der ganzen Kirche mit auf den Weg: Gehen – Aufbauen – Bekennen! Und dies im Zeichen des Kreuzes; denn so Papst Franziskus: „Wenn wir ohne das Kreuz voranschreiten, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und wenn wir uns zu einem Christus ohne Kreuz bekennen, dann sind wir keine Jünger des Herrn: wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, aber keine Jünger des Herrn.“ Ich gestehe es gerne: ich freue mich über diesen Papst und ich verbinde mit ihm die große Hoffnung, dass das, wofür das II.Vatikanische Konzil eingetreten ist, unter ihm wieder an Bedeutung gewinnt. Das Konzil hat mich in meiner Jugend sehr geprägt und meinen Weg mitbestimmt. Deshalb ist es mir persönlich so wichtig. Vom Heiligen Franziskus sagt man: er war wie der Einbruch des Frühlings in Kirche und Welt. Ich hoffe und bete, dass Papst Franziskus auch wie Frühling für unsere Kirche wird. Er wird es nicht einfach haben in der römischen Kurie. Deshalb braucht er unser Gebet. Der Beistand seines Namenspatrons ist ihm gewiss.
Sedisvakanz – sehr entspannend
Was ist den bloß mit den Kardinälen los? Die haben schon wieder kein Datum für den Beginn des Konklave festgelegt. Das geht aber nun wirklich nicht. Ganze Heerscharen von Medienleuten warten darauf, dass es endlich los geht und die Herren in Rot lassen sich Zeit. Reden und reden und reden. Da müssen stattdessen Nachrichten herhalten über die Öfen in der Sixtina, einer für die Stimmzettel, ein anderer für Chemie. Weltbewegend!
Ich finde eine Sedisvakanz sehr entspannend. Wir werden zur Langsamkeit erzogen. Statt Hopplahopp haben sich die Kardinäle wohl für die bedächtigere Gangart entschieden, in der sie sich besser ein Bild von der Lage der Kirche machen können. Das scheint zwar anachronoistisch zu sein in einer Zeit, da Nachrichten in Sekundenschnelle um den Erdball rasen, aber es zeugt von einer großen Gelassenheit, die uns auch in anderen Zusammenhängen gut tun könnte.
Wenn dann das Konklave beginnt, steigt der Stresspegel eh noch von Wahlgang zu Wahlgang. Also lassen wir es weiter langsam angehen, hektischer wird es noch, ganz gewiss.
Kein Superstar – sondern Benedikt XVI.

Richtiger Zeitpunkt
Benedikt XVI. hätte kaum einen günstigeren Zeitpunkt für seine Rücktrittsankündigung wählen können, als die Tage vor der Fastenzeit; denn in diesen 40 Tagen geht es um die geistliche Reise nach Innen, geht es um die wesentlichen Fragen des Lebens. Nicht um Ämter und Posten, nicht um Namen und Bezeichnungen, nicht um den Mainstream der öffentlichen Meinung, nicht um Ruhm und Ehre. Es geht wie der Papst selbst heute sagte um die Fragen: „was zählt in meinem Leben?“ und „Welchen Platz hat Gott in meinem Leben?“
Vergelt’s Gott
Die Nachricht vom Rücktritt des Papstes hat mich und viele andere im Rheinland zum Beginn des Rosenmontagszugs erreicht. Auf den ersten ungläubigen Schreck folgte ein großer Respekt vor dieser Entscheidung. Wenn ein Mensch vor sich und der Welt seine eigenen Grenzen eingesteht, dann ist dies ein Zeichen von Größe und Demut zugleich.
In Bonn hat Benedikt XVI. seine theologische Laufbahn begonnen. Daran erinnern sich noch viele in unserer Stadt. Das „Heimweh nach Bonn, nach der Stadt am Strom, ihrer Heiterkeit und ihrer geistigen Dynamik“ ist ihm geblieben, wie er es selbst in seiner Biografie bekannt hat. Unvergessen sind mir die Begegnungen mit ihm, unter anderem mit unserer damaligen Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann 2007 auf dem Petersplatz.
Benedikt XVI. ist ein großer Theologe und ein weiser geistlicher Lehrer. Viele seiner Worte werden uns noch lange begleiten, viele seiner einfachen, aber eindrucksvollen Gesten uns noch lange in Erinnerung bleiben. Am Ende dieses Pontifikates sind wir dankbar für diesen Nachfolger des Apostels Petrus.
Vergelt’s Gott!

