Greccio – Bonn

Greccio 19.10.2013
Wie an den Felsen geklebt erscheint das Kloster von Greccio. Dort hat der Heilige Franziskus 1223 die erste Krippendarstellung gebaut. Die Menschen sollten mit eigenen Augen sehen, in welcher Einfachheit Gott Mensch wurde. Nicht im Palast der reichen Herren, sondern in der Armut des Stalles von Bethlehem. Die Menschen seiner Zeit haben das Zeichen verstanden. Der Wald von Greccio war erfüllt von den Lobgesängen der Menschen. Inzwischen sind die Krippen in unseren Häusern zur Wohnzimmer-Dekoration verkommen und auch in vielen Kirchen ergötzt man sich an kunstvollen Darstellungen ohne sich von dem Ereignis selbst berühren zu lassen. Die Krippe im Bonner Münster an diesem Weihnachtsfest 2013 will dem Vorbild des Heiligen Franziskus nacheifern: so wie er das Weihnachtsgeschehen im Wald von Greccio ansiedelte, so werden wir das Ereignis von Bethlehem in der Kulisse unserer Stadt darstellen. Das wird manche Betrachterin und manchen Betrachter verwirren, aber hoffentlich wird die Botschaft genau wie hier in Greccio verstanden.

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Papa sorpresa!

Papa sorpesa – der Papst der Überraschung! So kommt mir Franziskus immer mehr vor. Der Papst der guten Überraschungen. Da meldet heute „La Stampa“, dass Franziskus am Samstagmorgen einen Renaut R 4 als Geschenk erhielt. Keine Luxuskarosse, sondern ein Allerweltsauto mit 300.000 Kilometern auf dem Buckel. Weiß, 800 ccm und  4 Gänge. Er „diente“ einem Pfarrer in einer „Pfarrei an der Peripherie“ der Stadt Verona, der sich u.a. dafür engagierte, dass seine Jugendlichen nicht in die Finger der Drogenhändler gerieten. Franziskus nahm das Geschenk an und würdigte damit die Arbeit für die Menschen an der Peripherie. 100 Leute begleiteten ihren Pfarrer bei der Übergabe. 50 mussten vor den Mauern bleiben – aus Sicherheitsgründen! Aber so etwas geht nicht mit Franziskus. Er stieg in den R4 und ließ sich zu den Wartenden vor die Mauern fahren. Das muss man nicht kommentieren. Man kann nur staunen!
Papa sorpresa – der Papst der Überraschung! Auch mit der Friedensinitiative und dem Friedensgebet am Samstag hat er uns überrascht. Mich freut, dass Franziskus keine Gebetstage und Gedenkstunden verordnet, sondern selbst der Erste ist und uns und alle Menschen guten Willens einlädt, es ihm gleich zu tun. So wird die ganze Weltkirche zu einer großen Pfarrei und der Papst zu einem Weltpfarrer.
Papa sorpresa – Franziskus tut der Kirche und der Welt mit seinen Überraschungen gut! Ich freue mich auf die nächste! Auch wenn sie mich, uns in die Pflicht nimmt! Es macht Freude!

Zuerst zum Brunnen! Dann „op Pützchen“!

2861_high_puetzchenPützchens Markt ist eröffnet!  Mit einem Schlag hat Oberbürgermeister Nimptsch das Faß angestochen. 5 Tage Pützchens Markt!
Wir alten Bonner sind  von Kindesbeinen daran gewöhnt, zuerst zum Brünnchen zu gehen und dann „op Pützchen“. Das gehört sich so. Die Geschichte, die dieser Tradition zugrunde liegt, ist über1000 Jahre alt:  Es war wohl im Jahr 1005, als das Rheinland einer großen Dürre ausgesetzt war und sogar das Rheinbett fast austrocknete. Die von der Hungersnot bedrohten Menschen baten Adelheid, die Äbtissin des Klosters Vilich, um Rat. Sie soll mit den Menschen der Umgebung intensiv gebetet und der der Legende nach gezielt und mit Gottvertrauen ihren Äbtissinenstab in die Erde gestoßen und eine Wasserquelle gefunden haben. Daraus entstand ein „Pütz“,ein „Pützchen“, das die Gefahr abwehrte und als „Adelheidis-Brünnchen“ bis heute sprudelt.

Diese Geschichte ist insofern nicht ganz unwahrscheinlich als hier wasserführende Schichten vom Ennert herab dicht unter der Oberfläche laufen. Die Leute spülen sich seit jeher die Augen mit diesem Quellwasser, weil es gegen Augenleiden helfen soll. Das ist keine Magie, denn erst kürzlich wurde bei Untersuchungen des Wassers bestätigt, dass es aufgrund seiner Beschaffenheit eine heilsame Wirkung haben könne.

Aber wir wollen hier gar nicht um die Wahrheit der Geschichte und um die Heilkraft des Wassers streiten. Die Geschichte erinnert uns vielmehr daran, dass es nicht nur Dürrezeiten im Jahresablauf geben kann, wenn der Regen länger ausbleibt. Es gibt auch andere Dürrezeiten, wenn das Leben trocken und mühsam ist, wenn uns die Liebe fehlt, wenn wir keine Anerkennung finden, wenn der Arbeitsplatz verloren geht, wenn eine Beziehung zerbricht, wenn Träume zerplatzen – und vieles andere mehr! Es gibt in solchen Situationen gewiss viele Möglichkeiten, der Dürre ein Ende zu bereiten – die einen flüchten in Drogen, in den Alkohol, in die Spielsucht. Andere werden zu Workaholics. Andere ziehen sich zurück und kapseln sich ab.

Die heilige Adelheid gibt uns ein anderes Beispiel. Von ihr wird gesagt, dass sie mit den Menschen betete und mit Gottvertrauen an dieser Stelle den Stab in die Erde verstoßen haben soll.Das Wasser dieses Brunnens sagt uns: wer sich auf Gott ausrichtet und das Heil nicht nur auf dieser Welt sucht, der kann die Dürrezeiten seines Lebens bestehen und er wird das frische Wasser finden, das sie beendet.

Von Gottvertrauen spricht auch unser Papst, wenn er etwa vor einigen Wochen in Brasilien sagte: „Gott ruft zu endgültigen Entscheidungen, für jeden hat er einen Plan: Ihn zu entdecken und der eigenen Berufung zu entsprechen bedeutet, einer glücklichen Selbstverwirklichung entgegenzugehen. Gott ruft uns alle zur Heiligkeit; er ruft uns, sein Leben zu leben, doch für jeden hat er einen persönlichen Weg.“

Das Wasser dieses Brunnens sprudelt – ohne unser Zutun. Es verweist uns mitten im Lärm dieses Jahrmarktes auf Gott! Wer von diesem Wasser nimmt, legt auch ein Glaubensbekenntnis ab: Gott wirkt in dieser Welt! Er ist das lebendige Wasser. So gestärkt lädt uns der Jahrmarkt ein, zu feiern und zu genießen!

Ich lade alle ein, dem alten Brauch zu folgen: zuerst zum Brunnen und dann „op Pützchen!“

 

Lichtdurchfluteter Anfang

„Aus kleinem Anfang entspringen alle Dinge“ (Cicero). Deshalb tut es gut, sich der Anfänge zu erinnern und nicht nur die Ergebnisse am Ende zu betrachten. Das schmälert nicht die Leistung, sondern macht demütig angesichts des Erreichten. So auch bei der Gotik, deren Baumeister uns grossartige Kathedralen geschenkt haben. Alles begann mit dem genialen Abt Suger von St.Denis vor den Toren Paris, der im 12.Jahrhundert die karolingische Kirchenanlage aus dem 8.Jahrhundert mit einer Eingangshalle und einem neuen Chor versah in einem neuen Baustil, der auf dicke Mauern verzichtete und stattdessen lichtdurchflutete Räume mit großen Fensterflächen schuf.

20130727-100655.jpg Die Fassade von St.Denis

20130727-100747.jpg Eine der klugen Jungfrauen. Beliebtes Fassaden-Motiv in der Gotik

20130727-100926.jpg Blick ins Kirchenschiff. Das Langhaus aus dem 12.Jhdt.

20130727-101050.jpg der erste gotische Chor

20130727-101223.jpg Rosette im Querschiff

20130727-101311.jpg Madonna

20130727-101353.jpg Die Anfänge von St.Denis reichen bis in die Römerzeit

20130727-101501.jpg Kapitell in der Krypta

Zwischen Zuneigung und Hass

Religion ist immer auch eine Sache der Emotionen. „Recordare“ sagt der Lateiner. Glauben – das Herz wieder schenken. Und unser deutscher (indogermanischer) Begriff bedeutet in seiner altindischen Wurzel „sein Herz auf jemanden setzen“. Das Gegenteil besteht in der Verweigerung des Herzens, schlimmstenfalls im Hass. Kaum jemand steht der Religion indifferent gegenüber. Die Kathedralen Frankreichs erzählen von beidem: von der Verehrung Gottes und der Heiligen und vom Hass auf alles Religiöse, vor allem auch auf die Kirche. Die Feudalherrschaft der Kirche, ihre oft schamlose Beteiligung an der Macht und der Ausbeutung der Menschen blieb in den Religionskriegen und den Jahren der Revolution nicht ohne Folgen. Die Figuren an den Kirchenportalen wurden zerschlagen – Ausdruck von Wut und Hass. Die abgeschlagenen Köpfe mahnen uns, dass die Kirchen immer auf der Seite der Armen und Schwachen stehen muss.

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< Portal S.Etienne Beauvais - Krönung Mariens 20130725-180342.jpg Portal Kathedrale von Senlis – Krönung Mariens

20130725-180429.jpg Madonna – Kathedrale von Senlis

20130725-180522.jpg Goldene Madonna Kathedrale von Amiens

20130725-180806.jpg Madonna – Kirche vonn Morienval

20130725-180951.jpg Madonna – Abbaye Royaumont

Grenzüberschreitend

„Altius, citius, fortius“ (höher, schneller, weiter (eigentlich stärker)), das Motto der neuzeitlichen Olympiade hat die Menschheit schon immer beflügelt. Oft ist damit allerdings auch der Versuch verbunden, die Grenzen, die uns der Schöpfer gesetzt hat, zu überwinden und selbst an die Stelle Gottes zu treten. Die Bibel erzählt von dem gescheiterten Versuch beim Turmbau zu Babel, als die Menschen einen Turm bauen wollen, der bis an den Himmel reichen sollte. (Bibel Buch Genesis Kapitel 11) Der jüdische Talmud weiß, dass man beim Bau mehr weinte um einen Stein, der herunterfiel, als um einen Menschen, der dabei verletzt oder getötet wurde. Bald schon stand man vor dem Scherbenhaufen seiner Bemühungen. Auch die Geschichte der Gotik kennt einen solchen Versuch der Grenzüberschreitung: in Beauvais wollte man die größte Kathedrale bauen, größer, höher als alle bekannten gotischen Kathedralen. Auch hier scheiterte der Mensch mit seinem Stolz. Übrig bleibt ein Torso, der uns durch die Jahrhunderte hindurch mahnt, demütig zu sein, dass heißt, die Grenzen anzuerkennen, die uns der Schöpfer gesetzt hat.

20130725-084727.jpg Die Kathedrale von Beauvais bleibt unvollendet

20130725-084959.jpg Das Langhaus fehlt. Stattdessen steht dort noch der alte karolingische Vorgängerbau

20130725-085123.jpg Auch heute noch notwendig: riesige Stützen

20130725-085235.jpg Stüttzen auch im Querschiff

20130725-085336.jpg Schon gewaltig: Gewölbe des Chors

20130725-085431.jpg Die Schöpfung – der Schöpfer und sein Geschöpf. Wandteppich aus dem 20.Jahrhdt. in der Tapisserie neben der Kathedrale